Bei neuroendokrinen Tumoren bilden sich häufig Lebermetastasen, die die Funktionsfähigkeit des Organs beeinträchtigen können. Solche Tumorabsiedlungen lassen sich durch verschiedene therapeutische Verfahren gezielt behandeln. Die Entscheidung, welche der folgenden Methoden oder welche Kombination von Verfahren eingesetzt wird, wird für jede Patientin und jeden Patienten individuell in der Tumorkonferenz festgelegt.1

Leben mit NET: Ärztinnen und Ärzte bei der Tumorkonferenz
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Wie Lebermetastasen entstehen

Tumoren können Tumorzellen in die Blut- oder Lymphbahnen abgeben und sich so im Körper ausbreiten. Der Verdauungstrakt und die Bauchspeicheldrüse sind durch eine große Vene, die Pfortader, mit der Leber verbunden. Krebszellen von neuroendokrinen Tumoren des Verdauungstrakts oder der Bauchspeicheldrüse (GEP-NET) gelangen so direkt in die Leber, wo sie Metastasen bilden können.2,3

Neuroendokriner Tumor: Lebermetastasen und die Prognose für die Lebenserwartung

Sobald der neuroendokrine Tumor Metastasen gebildet hat, kann in der Regel nicht mehr von einer Heilung gesprochen werden. Selbst bei einer vollständigen Entfernung des Primärtumors und seiner Metastasen können erneut Metastasen entstehen.

Leben mit NET: Ein betroffenes Paar
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Neuroendokrine Tumoren, die Lebermetastasen bilden, wirken sich daher immer ungünstig auf die Prognose für die Lebenserwartung aus. Mithilfe verschiedener Behandlungsmethoden und einem durchgehenden Monitoring der Patientin oder des Patienten können die Ausbreitung der Metastasen jedoch eingedämmt, die Symptome abgemildert und die Prognose für die Lebenserwartung verbessert werden. 5,6,7,8

 

Operative Entfernung: Das Mittel der Wahl

Die Entscheidung, ob Lebermetastasen operativ entfernt werden können, hängt von ihrer Größe, ihrer Lage in der Leber und ihrer Anzahl ab. Bei weniger als fünf Lebermetastasen ist meistens eine operative Entfernung möglich. Dabei schneidet die Chirurgin oder der Chirurg die Metastasen mit einem ausreichend großen Saum (Sicherheitsabstand) im gesunden Gewebe heraus. Lebergewebe lässt sich relativ großzügig entfernen, da der verbliebene Leberanteil die Funktion des herausgeschnittenen Gewebes übernehmen kann. Außerdem besitzt die Leber die Fähigkeit, sich zu regenerieren. Das heißt, dass das entfernte Gewebe sich im Laufe der Zeit nachbilden kann.

Metastasenbekämpfung ohne großen Eingriff: Lokal ablative Verfahren

Bei lokal ablativen Verfahren werden die Metastasen gezielt vor Ort zerstört, ohne dass ein aufwendiger chirurgischer Eingriff erforderlich ist. Die einzelnen Verfahren befinden sich zum Teil noch in der Erprobung. Der Vorteil lokal ablativer Verfahren ist der geringere Aufwand gegenüber einer Operation und die leichtere Wiederholbarkeit bei wiederkehrenden Metastasen. Außerdem können die Verfahren miteinander kombiniert werden und so eine höhere Effektivität erzielen. 9,10

Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Bei diesem Verfahren wird ein chemisches Mittel gespritzt, das die Metastase angreift. Anschließend wird mit Gelatinepartikeln der Verschluss (Embolisation) von Gefäßen herbeigeführt, die die Metastase mit Blut und Sauerstoff versorgen. Sowohl der tumorschädliche Wirkstoff als auch die Gelatinepartikel werden mithilfe eines Leistenkatheters über die Leberarterie direkt in die Tumorgefäße eingebracht. Die Leber wird bei diesem Verfahren nicht geschädigt, da sie im Gegensatz zu den Metastasen zu einem Großteil über die Pfortader mit Blut versorgt wird.10

Selektive interne Radiotherapie (SIRT)

Die selektive interne Radiotherapie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Chemoembolisation: Kleinste Kunststoffkügelchen, die schwach radioaktives Material enthalten, werden über einen Leistenkatheter in einzelne Äste der Leberarterie gespritzt und erreichen über den Blutstrom das Tumorgewebe. Dort bleiben sie in den kleinen Blutgefäßen hängen, geben dort gezielt ihre Strahlung an den Tumor ab und zerstören so die Krebszellen. Gleichzeitig werden die Blutgefäße, die die Metastase versorgen, verschlossen (Embolisation). Das umliegende Gewebe wird dabei weitestgehend geschont.11

Radiofrequenzablation (RFA)

Bei dieser Methode wird mithilfe von bildgebenden Verfahren eine Sonde punktgenau an der Metastase positioniert. Mittels Radiofrequenzwellen oder Laserlicht wird die Metastase auf 50 bis 120 Grad erhitzt und „verkocht“. Auf diese Weise lassen sich auch größere Metastasen zerstören.11

Kryotherapie (Kältetherapie)

Flüssiger Stickstoff wird über eine Sonde direkt an die Metastase geleitet und das Gewebe so auf unter 100 Grad minus gefroren. Die Bildung von Eiskristallen führt zum Absterben der Tumorzellen.10

Perkutane Ethanolinjektion (PEI)

Mithilfe bildgebender Verfahren wird eine feine Nadel durch die Haut direkt in die Lebermetastase geführt und 95-prozentiger Alkohol injiziert. Der Alkohol lässt das Blut in den Gefäßen, die die Metastase versorgen, gerinnen und das Tumorgewebe dadurch absterben, während das umgebende Lebergewebe kaum geschädigt wird.10

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