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Nach der Magen-OP – was ist bei der Ernährung zu beachten?

Wird zur Therapie von NET der Magen ganz oder teilweise operativ entfernt, können wichtige Verdauungsfunktionen eingeschränkt sein. Der Artikel beleuchtet einige häufige Veränderungen und gibt Tipps zur Ernährungsanpassung.

Abb.: Funktionen des Magens.

1. Speiseröhre: Transport der Nahrung in den Magen
2. Schließmuskel am Mageneingang: Verhindert, dass saurer Speisebrei in die Speiseröhre zurückfließt
3. Magengewölbe: Speisespeicher, wenn größere Portionen gegessen werden
4. Magenkörper: Mischt die Nahrung mit saurem Magensaft zur Zerkleinerung und zum Abtöten von Bakterien; im unteren Teil auch Zerkleinern der Nahrung durch Muskelbewegung
5. Pförtner: Schließmuskel am Magenausgang; gibt Speisebrei portionsweise in den Darm ab, um den Dünndarm nicht zu überlasten
6. Zwölffingerdarm: Teil des Dünndarms; Mündungsort der Verdauungssäfte von Leber und Bauchspeicheldrüse

Neuroendokrin­e Tumor­en (NET) können in fast allen Organen des Körpers vorkommen, am häufigsten treten sie jedoch im Magen-Darm-Trakt auf. Etwa ein Drittel befinden sich im Magen. Nach der Diagnose besteht das Therapieziel in der Regel darin, den Tumor durch eine Operation zu entfernen und die Erkrankung dadurch zu heilen. Doch auch in Fällen, in denen keine Heilung erreicht werden kann, können durch die Entfernung des Tumors die Beschwerden meist gelindert werden. [2]

Abhängig von Lage, Größe und Art des Tumors, werden Teile des Magens, in manchen Fällen sogar der ganze Magen entfernt (Magenresektion).[5] Der Magen kann danach seine natürlichen Funktionen (siehe Abb. 1) nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr erfüllen.[7] Dies erfordert eine Anpassung der Ernährung bzw. der Ernährungsgewohnheiten. Im Folgenden soll auf einige besonder­s häufig auftretende Veränderungen nach einer Magenentfernung eingegangen und Tipps zur Abhilfe gegeben werden.

Besprechen Sie diese Hinweise jedoch zuvor mit Ihrem Arzt, ob sie in Ihrem Fall geeignet sind.

Was versteht man unter dem Dumping-Syndrom?

Wird ein großer Teil des Magens oder der gesamte Magen entfernt, kann der Restmagen bzw. der Ersatzmagen die natürliche Speicherfunktion nicht vollständig übernehmen. Die aufgenommenen Speisen gelangen deshalb häufig zu schnell in den Dünndarm und führen dort zu Beschwerden. Dies bezeichnet man als Dumping-Syndrom (Sturzentleerung, von engl. to dump = stürzen). Je nachdem in welchem zeitlichen Abstand zur Nahrungsaufnahme die Beschwerden auftreten, unterscheidet man Frühdumping von Spätdumping.[3]

Frühdumping tritt ca. 20 Minuten nach dem Essen auf. Aufgrund der eingeschränkten Speicherfunktion des Magens gelangt kohlenhydratreiche Nahrung teilweise unverdaut in den Dünndarm. Dies führt dazu, dass Flüssigkeit in den Dünndarm einströmt; diese Flüssigkeit stammt aus dem Blut. Es kommt zu einer Überdehnung des Dünndarms, die sich in Druckgefühl, Übelkeit und Erbrechen äußern kann. Durch den Flüssigkeitseinstrom kann es zum Blutdruckabfall und zu Kreislaufproblemen kommen.[3]

Tipps beim Frühdumping-Syndrom:[7]

  • Vermeiden Sie Flüssigkeitsaufnahme kurz vor, beim oder nach dem Essen. Dies verdünnt die Nahrung und beschleunigt den Weitertransport zusätzlich.
  • Nehmen Sie mehrere kleine Mahlzeiten (6-8 pro Tag) statt weniger großer zu sich.[4]
  • Bevorzugen Sie langsam verfügbare Kohlenhydrate, z. B. leicht verdauliches Gemüse.[8]
  • Ruhen Sie 15-30 Minuten nach den Mahlzeiten, um die Darmbewegung zu vermindern, sitzen oder liegen Sie dabei mit erhöhtem Oberkörper.[8]

Spätdumping macht sich etwa ein bis vier Stunden nach der Nahrungsaufnahme bemerkbar. Es wird verursacht, weil schnell verfügbare Kohlenhydrate zu schnell vom Darm aufgenommen werden. Die Folge ist ein starker Anstieg des Blutzuckerspiegels, was dazu führt, dass vermehrt Insulin ausgeschüttet wird. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel ab. Durch den Überschuss an Insulin kommt es einige Stunden nach dem Essen zur Unterzuckerung.[3]

Tipp beim Spätdumping-Syndrom
:

  • Essen Sie keine reine Kohlenhydrat-Mahlzeit, sonde­rn nehmen Sie mit jeder Einzelmahlzeit eine Mischkost zu sich. Dadurch kann der Blutzuckerspiegel stabiler gehalten werden.[9]

Ist die Fettverdauung eingeschränkt?

Durch die Verdauungssäfte im Magen werden Fette bereits vorverdaut, bevor sie in den Dünndarm gelangen. Fehlen Teile des Magens, kann diese Funktion stark eingeschränkt sein. Die Folgen können Durchfälle mit stark fettigem Stuhl und häufig auch eine ungewollte Gewichtsabnahme sein.[3]

Tipps bei eingeschränkter Fettverdauung

  • Testen Sie nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt, ob Sie mit MCT-Fetten statt normaler Fette zurechtkommen. MCT-Fette können vom Darm leichter aufgenommen werden. Beginnen Sie mit 10-20 g MCT-Margarine oder -Öl pro Tag und steigern Sie die Menge langsam. Der Geschmack ist weniger ansprechend als bei üblichen Fetten; eventuell hilft es, wenn Sie die Fette mit anderen Bestandteilen mischen, z. B. bei Salatsaucen.[6, 7, 8]
  • Fragen Sie Ihren Arzt außerdem, ob für Sie Medikamente geeignet sind, die bei der Fettverdauung helfen.

Wie ernähre ich mich nach der Magen-OP?

  • Achten Sie auf die Temperatur der Speisen. Normalerweise wird die Nahrung im Magen auf Körpertemperatur gebracht, bevor sie in tiefere Abschnitte des Verdauungstraktes gelangt. Heiße oder kalte Speisen, die zu schnell in den Darm gelangen, können diesen reizen.[7]
  • Da die Magensäure Bakterien abtötet und nach einer Magen (teil-) entfernung weniger Magensäure gebildet wird, kann es nach der Operation leichter zu Infektionen kommen. Waschen Sie deshalb Obst und Gemüse gründlich und essen Sie wenig Rohkost und Nüsse.[8]
  • Die Magensäure spielt auch eine entscheidende Rolle bei der Verdauung von rohem Eiweiß. Vermeiden Sie deshalb möglichst den Verzehr roher eiweißhaltiger Nahrungsmittel wie z. B. Tatar, Sushi, Rohmilchprodukte oder Eiern.[8]
  • Normalerweise produziert der Magen einen Stoff, der die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung steuert. Nach einer (Teil-) Entfernung des Magens kann sich deshalb ein Mangel an Vitamin B12 entwickeln. Ist die Fettverwertung eingeschränkt, kann es außerdem zu einem Mangel an fettlöslichen Vitaminen, z. B. Vitamin D kommen. Sollte es bei Ihnen zu einem Vitaminmangel kommen, fragen Sie Ihren Arzt, ob entsprechende Vitaminpräparate für Sie in Frage kommen.[3, 7, 8]
Quellen/Literatur: 
[1] Broschüre Ernährungstipps für Patienten mit neuroendokrinen Tumoren, the NET Alliance, 2010
[2] Patientenbroschüre Neuroendokrine Tumoren von Novartis, 2006
[3] http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/magenkrebs/ernaehrung.php (zuletzt gesichtet am 29.03.11)
[4] http://www.net-shg.de/bad_berka_symposium_zusammenfassung.pdf (zuletzt gesichtet am 29.03.11)
[5] http://www.net-register.org/wDeutsch/ne_tumore/therapiemoeglichkeiten/index.php (zuletzt gesichtet am 29.03.11)
[6] http://www.ernaehrung.de/lexikon/ernaehrung/m/MCT-Fette.php
[7] http://www.med.tu-muenchen.de/de/gesundheitsversorgung/kliniken/ernaehrungsmedizin/PDF/
Magenresektion_1205.pdf (zuletzt gesichtet am 29.03.11)
[8] Ernährung bei Krebs, Ratgeber Nr. 46 der Deutschen Krebshilfe, 2011
[9] Müller SD, Berufspraxis für DiätassistentInnen und Diplom-OecotrophologInnen, Hippokrates Verlag 2004
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