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Refluxkrankheit beim Gastrinom

Hormon­bildende neuroendokrin­e Tumor­en können sich auf weitere Organe auswirken. Überschüssige Magensäure bei Gastrin­omen kann z. B. in die Speiseröhre zurückfließen und dort zu Entzündungen und Schluckstörungen führen.

Gastrin­ome sind neuroendokrin­e Tumor­en (NET), die bevorzugt im Zwölffingerdarm und in der Bauchspeicheldrüse vorkommen. Sie sind funktionell aktiv. Das heißt, sie bilden Hormone, geben diese in nennenswerter Menge in die Blutbahn ab und verursachen dadurch letztlich Beschwerden [1].

Gastrin­ome produzieren das Hormon Gastrin. In gesunden Zellen wird das Gastrin nur kurz vor und während dem Essen gebildet. Dann regt es die Zellen der Magenschleimhaut an, Magensäure zu produzieren, um die aufgenommene Nahrung zu zersetzen.

Die Tumor­zellen des Gastrinoms setzen Gastrin jedoch unabhängig von der Nahrungsaufnahme frei. Dadurch wird dauerhaft zu viel Magensäure gebildet, die vermehrt in die Speiseröhre zurückfließen kann. Eine Refluxkrankheit (lat. refluxus = Rückfluss) mit Sodbrennen, Entzündungen und Schluckstörungen ist die Folge [1].

Refluxkrankheit: Zu viel Magensäure schädigt die Speiseröhre

Die Schleimhaut des Magens weist Besonde­rheiten auf, die sie vor den Auswirkungen normaler Säuremengen schützen. Übermäßig produzierte Säure beim Gastrinom kann die Magenschleimhaut jedoch angreifen und zur Bildung von Geschwüren führen. Dieses Krankheitsbild wird auch als Zollinger-Ellison-Syndrom bezeichnet [1].

Zollinger-Ellison-Syndrom Magenbeschwerden beim Gastrinom

Die Schleimhaut der Speiseröhre ist generell nicht geschützt, da beim Gesunden nur ab und zu etwas Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt. Durch die übermäßige Bildung von Magensäure beim Gastrinom ist der Magen jedoch so mit Magensaft angefüllt, dass es viel häufiger zum Rückfluss (Reflux) von Magensäure in die Speiseröhre kommt. Dadurch wird die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre angegriffen. Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein sind häufig die ersten Symptome [2].

Der Körper reagiert auf die Schädigung der Zellen mit einer Entzündung und ersetzt das zerstörte Gewebe durch festes und widerstandsfähiges Narbengewebe (siehe Abb. 1). Dies kann die Speiseröhre verengen und zu Schluckstörungen führen [2]. All dies wird unter dem Begriff Refluxkrankheit zusammengefasst. Die Veränderungen der Schleimhaut in der Speiseröhre können sogar so weit gehen, dass sich nach einiger Zeit eine bösartige Geschwulst bildet [2]. Daher ist es wichtig, bei Beschwerden frühzeitig zum Arzt zu gehen.

Magenspiegelung und Säuremessung zur Diagnose der Refluxkrankheit

Eine Refluxkrankheit diagnostiziert der Arzt durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) [3]. Diese kann in der Regel ambulant mit einer leichten Betäubung durchgeführt werden. Der Arzt kann hierbei Entzündungen der Speiseröhre feststellen und auch kleine Gewebeproben zur weiteren Untersuchung unter dem Mikroskop entnehmen.

Eine Langzeit-Säuremessung (syn. Langzeit-pH-Metrie, 24-Stunden-pH-Metrie) gibt Aufschluss über die Häufigkeit des Säurerückflusses in die Speiseröhre [3]. Dabei wird dem Patienten ein dünner Schlauch (Sonde) über die Nase eingeführt. Der Schlauch ist mit einem Sensor ausgestattet, der den pH-Wert über 24 Stunden lang messen kann. Die Werte werden durch ein externes Gerät aufgezeichnet und können später am Computer ausgewertet werden. Während der Messung kann der Patient laufen, essen und trinken. Die Messung kann im Krankenhaus oder ambulant durchgeführt werden. Die Langzeitmessung kann auch im Verlauf wiederholt werden, um die Wirkung der Therapie zu überprüfen.

Behandlung der Refluxkrankheit

Eine vollständige Heilung des Gastrinoms und damit auch der Refluxkrankheit gelingt nur, wenn der Tumor durch eine Operation vollständig entfernt werden kann. Ist das nicht möglich, können Medikamente verabreicht werden, die zwar nicht die Ursache, aber doch die Beschwerden bekämpfen. Dazu zählen die sogenannten Protonen-Pumpen-Hemmer (syn. Säureblocker, Magenschutz). Sie hemmen die Bildung von Magensäure und können dadurch die Beschwerden lindern. [2] Stattdessen oder zusätzlich stehen Wirkstoffe zur Verfügung, die die Magenentleerung fördern und den Aufenthalt der Nahrung im Dünndarm verkürzen. Das kann helfen, den Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre zu vermindern [2].

Wird die Ursache der Übersäuerung, in diesem Fall das Gastrinom, nicht beseitigt, kommt es nach dem Absetzen all dieser Medikamente aber zu einem Rückfall. Die Medikamente müssen daher in der Regel lebenslang eingenommen werden.

Quellen/Literatur: 

[1] Plöckinger, U.: Neuroendokrine gastrointestinale Tumoren, Unimed Science Verlag, 1. Auflage 2007 [2] Baenkler HW: Innere Medizin – Sonderausgabe. Stuttgart: Thieme 2001, ISBN 3-13-128751-9 [3] http://www.eesom.com/go/8QJMBBKN1K7CT6IOVXQY716I50OMKQGL, zuletzt besucht am 26.07.2012

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