Bewegung hilft gegen therapiebedingte Beschwerden

 ältere Frau in Gymnastikraum, stehend mit ausgestreckten Armen.  ältere Frau in Gymnastikraum, stehend mit ausgestreckten Armen.

Bewegungsempfehlungen vor und nach einer Operation

Körperliche Aktivität vor und nach einer Operation kann:

  • die körperliche Leistungsfähigkeit erhalten.
  • dabei helfen, eine Schonhaltung zu vermeiden.
  • dazu beitragen, Schmerzen zu lindern.
  • das Thromboserisiko senken und einer möglichen Lungenentzündung vorbeugen.
  • dem Körper helfen, mit Stresssituationen besser zurechtzukommen.

Mit regelmäßigem Kraft- und/oder Ausdauertraining können Sie Ihren Körper gut auf eine Operation und die Belastung der Narkose vorbereiten. Darüber hinaus ist es oft möglich, Komplikationen auf diese Weise vorzubeugen und die Anzahl der Krankenhaustage zu reduzieren.

Auch nach einer Operation wird empfohlen, möglichst bald wieder aktiv zu werden. Im Krankenhaus wird man daher meist bereits ca. 24 Stunden nach einer Operation mit leichten Mobilisationsübungen beginnen.


Bewegungsempfehlungen bei Erschöpfungssyndrom (Fatigue)

„Wenn ich erschöpft bin, bin ich doch viel zu müde, um mich zu bewegen ...“, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Aber – so seltsam es auch klingt – körperliche Aktivität kann Ihnen helfen, Müdigkeit und Erschöpfung bei einer Fatigue zu bekämpfen. Am Anfang mag es Ihnen noch schwerfallen, sich zu bewegen, Sie werden schnell merken, dass Ihnen die gesteigerte Aktivität langfristig guttut. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie joggen, walken oder schwimmen gehen. Erlaubt ist, was Spaß macht!

Passen Sie jedoch die Intensität des Trainings Ihrem körperlichen Wohlbefinden, d. h. Ihrem Fatigue-Status, an. Wenn Sie sich grundsätzlich stark erschöpft fühlen, dann sollten Sie nur leicht bis moderat trainieren. Fühlen Sie sich hingegen nur etwas erschöpft, dann steigern Sie Ihr Wohlbefinden durch ein intensiveres Training.

Um die für Sie optimale Trainingsintensität festzulegen, bewerten Sie bitte den Grad Ihrer generellen Ermüdung und Erschöpfung in den letzten zwei Wochen anhand der dieser Skala:

 

 

Wenn Sie sich auf der Skala zwischen 3 und 6 eingeordnet haben, dann haben Sie eine „moderate Fatigue“. Bei einem Wert von 7 oder höher wird von einer „schweren Fatigue“ gesprochen.


Bewegungsempfehlungen bei Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen können als Nebenwirkung verschiedener medikamentöser Behandlungen auftreten. Doch auch in diesem Fall kann körperliche Aktivität dabei helfen, Ihr Wohlbefinden wiederherzustellen: beispielsweise durch leichtes bis moderates Ausdauertraining wie z. B. Walking, Nordic Walking oder Radfahren.

Versuchen Sie daher viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Trainieren Sie locker nach Ihrem persönlichen und täglichen Empfinden und machen Sie Übungen, die Ihnen Spaß machen. Sie werden sehen, dass Sie sich bereits nach kurzer Zeit besser fühlen und die Übelkeit nachlässt.

 


 junger Mann in Sport-Shirt trinkt durstig aus Wasserflasche.  junger Mann in Sport-Shirt trinkt durstig aus Wasserflasche.

Bewegungsempfehlungen bei erhöhtem Blutzucker-Stoffwechsel

Körperliche Aktivität ist eine hervorragende Methode, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Dies geschieht, weil der Organismus die im Blut enthaltene Glukose (Zucker) in Energie umwandelt, um sie dann für die Muskelarbeit zur Verfügung zu stellen.

Bei erhöhtem Blutzuckerspiegel ist zu Beginn ein Ausdauertraining zu empfehlen, da der Zuckerspiegel relativ konstant reagiert. Im nächsten Schritt können Sie dann auch Krafttraining oder andere Sportarten ausprobieren. Versuchen Sie regelmäßige körperliche Aktivität, d. h. längere Bewegungseinheiten, in Ihren Alltag einfließen zu lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie sich für Walken, Laufen, Radfahren, Schwimmen oder Ähnliches entscheiden.


Bewegungsempfehlungen bei starkem Gewichtsverlust

Starker Gewichtsverlust, auch als Kachexie bezeichnet, ist ein häufiger Begleiter von Krebserkrankungen — auch von neuroendokrinen Tumoren. Selbst bei einer Kachexie ist es wichtig, so früh wie möglich mit einem gezielten, leichten Ausdauertraining anzufangen, um sich an die Bewegung zu gewöhnen. Am Anfang reicht es vollkommen aus, wenn Sie versuchen, mindestens dreimal pro Woche für 30 bis 60 Minuten aktiv zu sein.

Im nächsten Schritt können Sie mit einem gezielten Krafttraining beginnen, damit Sie Ihre vorhandene Muskelkraft stabilisieren. Auch hier wird zu Beginn unter der Beaufsichtigung eines Therapeuten trainiert. Ob Sie Ihr Training nach der Phase der Anleitung in einem Fitnessstudio oder zu Hause mit Ihrem Körpergewicht oder Kleingewichten durchführen, spielt keine Rolle.


Frau stehend mit in meditativer Pose. Frau stehend mit in meditativer Pose.

Bewegungsempfehlungen bei chemotherapieinduzierter Polyneuropathie

Nervenempfindlichkeitsstörungen (Polyneuropathien) sind häufig auftretende Nebenwirkungen bestimmter Chemotherapeutika. Bemerkbar machen sie sich durch Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle in den Finger- und Fußspitzen. Da sich diese Missempfindungen bis in den Handteller oder im gesamten Fuß ausbreiten können, sind Gleichgewichtsstörungen oder eine Gangunsicherheit eine häufige Folge.

Versuchen Sie dieser Problematik mit einem sensomotorischen Training entgegenzuwirken. Auch hier gilt, dass ein möglichst frühzeitiges Training die besten Erfolge zeigt.


Bewegungsempfehlungen bei Einnahme von mTor-Inhibitoren

mTor-Inhibitoren sind Medikamente, die Auswirkung auf den Blutzucker- oder Cholesterinstoffwechsel und das Immunsystem haben können. Mit körperlicher Aktivität können Sie etwas gegen diese Beschwerden unternehmen.

Versuchen Sie es mit Ausdauertraining: Regelmäßige Bewegung stärkt das Immunsystem und verringert damit ein mögliches Infektionsrisiko. Darüber hinaus kann dadurch der Blutzuckerspiegel gesenkt, die Insulinsensitivität erhöht und einem zu hohen Cholesterinspiegel vorgebeugt werden.

Auch das klassische Krafttraining können wir Ihnen empfehlen.

Da mTor-Inhibitoren die Anzahl der Blutplättchen beeinflussen und es dadurch bei Verletzungen schneller zu blauen Flecken oder Blutungen kommen kann, sollten Sie Trainingsarten mit einem erhöhten Sturz- und Verletzungsrisiko meiden.


Quelle: 
Broschüre „Sport und Bewegung bei neuroendokrinen Tumoren (NET)“, Freerk T. Baumann und Anja Großek, vollständig aktualisierte Ausgabe 2018. Herausgeber: Novartis Pharma GmbH