www.leben-mit-net.de Eine Initiative der
Novartis Pharma GmbH
Für
Fachkreise

Wie werden Lebermetastasen bei NET behandelt?

Bei neuroendokrin­en Tumor­en (NET) bilden sich häufig Tochtergeschwülste in der Leber, die die Funktionsfähigkeit des Organs beeinträchtigen können. Solche Tumor­absiedlungen lassen sich durch verschiedene Therapie­methoden gezielt behandeln.

Neuroendokrin­e Tumor­en (NET) werden in vielen Fällen erst bemerkt, wenn sie bereits Tochtergeschwülste (Metastase­n) gebildet haben. Davon ist meistens die Leber betroffen [1,2]. Solche Lebermetastase­n können das gesunde Lebergewebe verdrängen bzw. schädigen.

Eine Folge davon ist, dass die Funktionsfähigkeit der Leber zunehmend beeinträchtigt wird. Dies kann beispielsweise dazu führen, dass das von einigen NET produzierte Hormon Serotonin nur verzögert abgebaut wird und sich im Blut anreichert. Dies führt zum sogenannten Karzinoidsyndrom.

Lebermetastase­n können − ebenso wie die Primärtumor­en − mit verschiedenen Methoden behandelt werden. Hierzu gehören die chirurgische Entfernung der Tochtergeschwülste, sogenannte ablative Behandlungsverfahren, bei denen das Tumor­gewebe durch verschiedene Methoden gezielt zerstört wird, sowie medikamentöse Therapie­n. Häufig werden diese Therapie­methoden auch miteinander kombiniert, um den bestmöglichen Behandlungserfolg zu erzielen. [1]

Metastasen operativ entfernen

Lebermetastase­n können chirurgisch entfernt werden, wenn sie für eine Operation zugänglich sind und nicht in zu hoher Zahl vorliegen. So ist bei weniger als 5 Tochtergeschwülsten in der Leber meistens eine operative Entfernung möglich. Dabei schneidet der Chirurg die Tumor­absiedlungen mit einem ausreichend großen Saum im gesunden Gewebe heraus (Sicherheitsabstand), um ein Nachwachsen zu verhindern. [1,2]

Lebergewebe kann relativ großzügig entfernt werden, da der verbliebene Leberanteil die Funktion des herausgeschnitten Gewebes übernehmen kann. Außerdem besitzt die Leber die Fähigkeit, sich zu regenerieren, d. h., dass das entfernte Gewebe sich im Laufe der Zeit nachbilden kann. Daher können bis zu  80 % des Lebervolumens bei einem Patienten entfernt werden, wenn dieser ansonsten eine gesunde Leber besitzt. [3]

Ist eine operative Entfernung der Lebermetastase­n nicht möglich, stehen mit den lokal  ablativen Verfahren weitere Therapie­möglichkeiten zur Verfügung.

Lokal ablative Verfahren − die Metastasen gezielt entfernen

Bei den sogenannten lokal ablativen Verfahren (lat. ablatio: Abtragung, Ablösung), werden die Lebermetastase­n unter der Kontrolle von Computertomographie (CT) oder Ultraschall gezielt „vor Ort“ abgetötet ohne dass ein aufwendiger chirurgischer Eingriff erforderlich ist. Dabei können folgende Methoden angewendet werden: [1,5]

  • Transarterielle (Chemo)embolisation (TACE bzw. TAE). Selektive interne Radiotherapie (SIRT) auch transarterielle Radioembolisation (TARE).
  • Radiofrequenzablation (RFA) auch radiofrequenzinduzierte Thermoablation (RITA).
  • Laserinduzierte Thermotherapie (LITT).
  • Kryotherapie (Kältetherapie). Perkutan­e Ethanolinjektion (PEI).

Welche dieser ablativen Verfahren zum Einsatz kommen können, hängt unter anderem von der Anzahl und Größe der Metastasen sowie deren Lage innerhalb der Leber ab [6].

Medikamentöse Behandlung − Symptome lindern und Tumorwachstum hemmen

Wenn eine Operation der Lebermetastase­n nicht möglich ist, kann auch eine medikamentöse Behandlung die Symptom­e der Krankheit lindern und in manchen Fällen auch das Tumor­wachstum hemmen. Hierzu können Somatostatin-Analoga, Interferon alpha, Chemotherapie­n und die sogenannten zielgerichteten Therapie­n eingesetzt werden. Vor allem wenn die Metastase­n diffus in der Leber verteilt sind oder der Patient außerhalb der Leber weitere Metastasen hat, ist eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll, da diese im gesamten Organismus wirken. [4,6]

Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT) − gezielte Bestrahlung von innen

Eine weitere Methode, mit der sich NET und deren Metastase­n behandeln lassen, ist die Peptid­rezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT), die auch Radioligandentherapie genannt wird. Dabei werden Somatostatin-Analoga − mit radioaktiven Elementen verbunden. Sobald sich das Medikament im Blutkreislauf befindet, bindet es an die Tumor­zellen bzw. die Zellen der Tochtergeschwülste, die eine Bindestelle für das Hormon Somatostatin („Somatostatin-Rezeptoren“) auf ihrer Oberfläche haben. Die radioaktiven Teilchen innerhalb des Medikaments können die Tumor­zellen so gezielt schädigen [1]

Nachsorge ist wichtig!

Nach Abschluss der Behandlung sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um gegebenenfalls ein erneutes Wachstum des Tumor­s bzw. der Metastase­n möglichst schnell erkennen und entsprechend behandeln zu können. Sie sollten − vor allem anfangs  − alle 3 bis 6 Monate durchgeführt werden [2].

Quellen/Literatur: 

[1] Scherübl H. Neuroendokrine Tumoren (NET)/Karzinoide: Therapie (zuletzt besucht am 22.04.2013). Vivantes Klinikum Am Urban - Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité, Berlin. http://www.karzinoidtumore.de/therapie.php. [2] Medizininfo. Therapie und Nachsorge bei neuroendokrinen Tumoren (zuletzt besucht am 22.04.2013). http://www.medizinfo.de/krebs/net/therapie.shtml. [3] Universitätsklinikum Freiburg. Lebermetastasen (zuletzt besucht am 23.04.2013). http://www.uniklinik-freiburg.de/leberzentrum/live/patienten-info/lebertumore/boesartigeleberherde/lebermetastasen.html. [4] Pavel M et al. ENETS Consensus Guidelines for the management of patients with liver and other distant metastases from neuroendocrine neoplasms of foregut, midgut, hindgut, and unknown primary. Neuroendocrinology. 2012;95(2):157–76. [5] Apotheken-Umschau. Leberkrebs: Therapie (zuletzt besucht am 23.04.2013). http://www.apotheken-umschau.de/Leberkrebs/Leberkrebs-Therapie-18936_5.html. [6] Öberg K et al. Neuroendocrine gastro-entero-pancreatic tumors: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann. Oncol. Off. J. Eur. Soc. Med. Oncol. Esmo. 2012 Oct;23 Suppl 7:vii124–130.

Newsartikel Fachkreise: