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Neuroendokrine Tumoren: Behandlung mit Medikamenten

Wenn bei Patienten mit neuroendokrin­en Tumor­en die Geschwulst nicht oder nur teilweise operativ entfernt werden kann, hilft oft eine Behandlung mit Medikamenten. Hierfür stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung.

Bei Patienten mit neuroendokrin­en Tumor­en (NET) wird ein Chirurg zunächst versuchen, die Geschwulst vollständig operativ zu entfernen. Denn dies ist bisher der einzige Weg, die Krankheit zu heilen. Tumor­en, bei denen eine Operation nicht oder nur teilweise möglich ist, lassen sich mit Medikamenten behandeln. Hierzu gibt es verschiedene Präparate, die die Symptom­e lindern und das Fortschreiten der Krankheit bremsen können.

Künstlich hergestelltes Somatostatin hemmt die Hormonausschüttung

Somatostatin ist ein körpereigenes Hormon, das unter anderem die Aufgabe hat, die Bildung und Ausschüttung von verschiedenen anderen Hormonen zu hemmen. Es entfaltet seine Wirkung durch Bindung an spezifische Strukturen der Zelloberfläche, den sogenannten Somatostatin-Rezeptoren. Da die Tumor­zellen der meisten NET ebenfalls diese Bindungsstellen an ihrer Oberfläche tragen, kann das Hormon auch am Tumor wirken. [1–3]
Als medikamentöse Standardtherapie von NET werden sogenannte Somatostatin-Analoga (griech. analogos = ähnlich, vergleichbar) eingesetzt. Diese synthetisch hergestellten Medikamente binden an dieselben Rezeptoren und wirken in gleicher Weise wie das im Körper produzierte Somatostatin. Meistens erhalten die Patienten ein Depotpräparat mit Langzeitwirkung, das in der Regel nur einmal im Monat gespritzt werden muss. [1,,3]
Somatostatin-Analoga können die Symptom­e bei verschiedenen Krankheitsbildern von NET lindern, indem sie die übermäßige Hormonausschüttung aus den Tumorzellen hemmen und dadurch den entsprechenden Beschwerden entgegenwirken. Zudem können die Medikamente bei bestimmten NET des Magen-Darm-Traktes die Vermehrung der Tumorzellen verlangsamen und so das Wachstum der Geschwulst bremsen. In seltenen Fällen kann auch eine Verkleinerung des Tumors durch die Behandlung erreicht werden. Erfolgreich zum Einsatz kommen Somatostatin-Analoga beim Karzinoidsyndrom, beim VIPom und beim Glukagon­om, weniger beim Insulin­om und beim Gastrin­om. [1,3]

Interferon bekämpft die Tumorzellen

Interferon­e werden − ähnlich wie das Somatostatin – natürlicherweise im Körper produziert, um beispielsweise Viren und Tumorzellen zu bekämpfen. Zur Behandlung von NET wird dem Patienten das sogenannte Interferon-alpha (IFN-α) gespritzt, das dann auf verschiedene Weise im Körper wirkt: [1,3]

  • IFN-α hemmt die Vermehrung von Tumorzellen und verkürzt gleichzeitig deren Lebensdauer.
  • IFN-α verändert die Oberfläche der Tumorzellen so, dass sie von Abwehrzellen des Immunsystems erkannt und angegriffen werden können.
  • IFN-α bewirkt außerdem bei vielen NET-Patienten, dass die Hormonproduktion des Tumors deutlich zurückgeht.

Interferon-alpha hat gegenüber den Somatostatin-Analoga den Nachteil, dass zu Beginn und im weiteren Verlauf der Therapie ausgeprägte Nebenwirkungen auftreten können, wie z B. grippeähnliche Symptom­e und andauernde Müdigkeit. Dies kann so belastend sein, dass fast jeder fünfte Patient die Therapie abbricht. Zum Einsatz kommt IFN-α besonde­rs bei fortschreitenden NET im Mitteldarm (Midgut).[1,4]

Chemotherapie­n werden bei NET der Bauspeicheldrüse eingesetzt
Chemotherapie­n spielen bei neuroendokrin­en Tumoren vor allem bei der Behandlung von NET der Bauchspeicheldrüse oder bei NET, die einen schlechten Differenzierungsgrad aufweisen, bei denen das Tumorgewebe also kaum noch Ähnlichkeit mit dem Ursprungsgewebe hat, eine Rolle. Es wird meist eine Kombination verschiedener Chemotherapeutika eingesetzt oder die Chemotherapie wir mit einer anderen Therapieform kombiniert. [5]

Den Tumor zielgerichtet therapieren

Eine neuartige Form der medikamentösen Behandlung von NET sind die sogenannten zielgerichteten Therapien („targeted therapies“). Hier greifen Medikamente in verschiedene Signalwege des Tumorstoffwechsels ein und hemmen so gezielt das Wachstum des entarteten Gewebes. Für die Behandlung von NET werden derzeit zwei verschiedene Arten von Medikamenten eingesetzt:

  • mTOR-Hemmer. Diese Medikamente hemmen das Eiweiß mTOR, das bei Tumorzellen überaktiviert ist. mTOR spielt eine wichtige Rolle bei Wachstum und Vermehrung sowie beim Stoffwechsel der Zellen und bei der Bildung von Blutgefäßen. Die Blockade des Eiweißes führt dazu, dass die Proliferation de­s Tumors und seine Versorgung mit Nährstoffen über das Blut gestoppt werden. Die Therapie mit einem mTOR-Hemmer ist für die Behandlung von bestimmten NET der Bauchspeicheldrüse (pNET) sowie für GI- und Lungen-NET zugelassen.[1]
  • Tyrosinkinasehemmer. Diese Medikamente hemmen verschiedene Tyrosinkinasen in den Tumorzellen. Auch diese Enzym­e spielen eine wichtige Rolle bei Entstehung, Wachstum und Versorgung des Tumors. Die Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer ist ebenfalls für die Behandlung von bestimmten pNET zugelassen.[1]

Individuelle Behandlung ist wichtig

Neuroendokrin­e Tumoren unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Lage, Gewebeeigenschaften, Hormonaktivität und Bösartigkeit oft deutlich voneinander. Zudem reagiert jeder Patient anders auf eine bestimmte Behandlung und die damit eventuell verbundenen Nebenwirkungen. Es ist daher wichtig, dass der Arzt gemeinsam mit dem Patienten jeweils die individuell bestmögliche Therapie(kombination) auswählt. Dabei müssen sowohl die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Behandlung als auch die Lebensqualität und die persönlichen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt werden.

Quellen/Literatur: 

[1] Patientenbroschüre “Was sind NET”, Novartis Pharma GmbH, 2016. [2] DocCheck-Flexikon. Somatostatin (zuletzt besucht am 19.05.2016). http://flexikon.doccheck.com/de/Somatostatin [3] Graefe KH et al. Duale Reihe Pharmakologie und Toxikologie. Georg Thieme Verlag; 2011. [4] NET-Register. Tumore-Biotherapie (zuletzt besucht am 19.05.2016). http://www.net-register.org/wDeutsch/ne_tumore/therapiemoeglichkeiten/med_therapie.php#med_bio [5] Plöckinger, Ursula: Neuroendokrine gastrointestinale Tumoren. Uni-med Science Verlag, 1. Auflage, 2007

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