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Im Gleichschritt – Karzinoidsyndrom und Herzerkrankung

Infolge eines Karzinoid-Syndrom­s kann es zu Veränderungen am Herzgewebe kommen. Diese Veränderungen können die Herzfunktion beeinträchtigen.

Serotonin bildende neuroendokrin­e Tumor­en (NET) können zum  sogenannten Karzinoidsyndrom führen. Dieses äußert sich in typischen Symptome­n wie z. B. anfallsartige Hautrötung (Flush), Durchfallattacken und Bauchschmerzen. Etwa die Hälfte der Patienten entwickelt zudem Herzbeschwerden. [1]

Das Hedinger-Syndrom (Karzinoid-Herzerkrankung)

Beim Hedinger-Syndrom werden stellenweise Herzzellen durch faseriges Bindegewebe ersetzt. Diesen Vorgang nennt man in der Fachsprache Fibrosierung (lat. fibra = Faser). Da hiervon die Innenwand des Herzmuskels (Endokard) betroffen ist, wird die Veränderung als Endokardfibrose bezeichnet. Von der Endokardfibrose ist beim Hedinger-Syndrom häufiger die rechte Herzseite betroffen. [3]

Durch die Verfaserung verhärtet das betroffene Gewebe, und das Herz kann seine Muskelfunktion – als „Blutpumpe“ – nicht mehr richtig erfüllen. Bei einem Großteil der Patienten mit Hedinger-Syndrom bildet sich die Verfaserung im Bereich der Herzklappen. [1] Diese sind dafür verantwortlich, dass das Blut in die richtige Richtung fließt, indem sie den Rückfluss wie ein Ventil verhindern. Bei einer Fibrosierung sind die Klappen verengt und können sich nicht mehr richtig schließen: Man nennt dies Herzklappeninsuffizienz (l­at. insufficere = nicht ausreichen).

Eine weitere Veränderung beim Hedinger-Syndrom kann die Hypertrophie sein, d. h. eine krankhafte Verdickung des Herzmuskels. Durch die Verdickung kann sich das Herz nicht mehr optimal mit Blut füllen.
Alle diese Veränderungen können die Leistungsfähigkeit des Herzens je nach Ausprägung mehr oder weniger stark beeinträchtigen Dies hat zur Folge, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann. [4]

Ursachen des Hedinger-Syndroms

Bisher wurde neben anderen Botenstoff­en vor allem das Hormon Serotonin als Ursache der Fibrosierung untersucht Dabei scheint es einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Serotoninspiegels und dem Ausmaß der Herzschädigung zu geben. [3]

Diagnose des Hedinger-Syndroms

Für die Diagnose der Herzerkrankung kommen im Wesentlichen zwei Methoden zum Einsatz:
1.    Abhören
Einen ersten Hinweis für eine Herzbeteiligung liefert das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop. Der Arzt kann dabei anhand der Qualität und Lautstärke der Geräusche beispielsweise auf eine vorliegende Schädigung der Herzklappen schließen.
2.    Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie, Herzecho)
Zur Diagnose einer Endokardfibrose wird häufig die Ultraschalluntersuchung des Herzens eingesetzt. Die Untersuchung kann von außen am Brustkorb geschehen oder aber von innen über einen Schallkopf, der in die Speiseröhre eingeführt wird. Die Untersuchung ist wenig belastend für den Patienten. Mit dieser Methode erhält der Arzt Aufschluss über die Bewegungsabläufe und die Herzaktivität. Er kann außerdem die Struktur der Herzwände und -klappen sowie der Größe des Herzens und der Herzinnenräume bestimmen. [1]
Darüber hinaus kann das Ausmaß einer Herzinsuffizienz ­anhand einer Blutuntersuchung bestimmt werden. Dazu wird der Blutwert ANP (atrial natriuretisches Peptid) gemessen. Je stärker das Herz beeinträchtigt ist, desto höher ist dieser Wert. [1]

Therapie

Zunächst wird die Grunderkrankung, der neuroendokrin­e Tumor, behandelt, um die hormonbedingten Beschwerden zu lindern und das Tumorwachstum zu hemmen. [5]
Kann darüber hinaus das Herz den Organismus nicht mehr ausreichend versorgen (Herzinsuffizienz), werden die Symptom­e mit Medikamenten behandelt, die auch üblicherweise bei Herzinsuffizienz anderer Ursache zum Einsatz kommen. [8] Zu den bekannteren gehören beispielsweise ACE-Hemmer oder beta-Blocker. [6]
Sind die Herzklappen die Ursache für die beeinträchtigte Herzfunktion, kann nur eine Operation deren Funktion wieder herstellen. [7] Dabei wird fast immer die geschädigte Herzklappe entfernt und durch eine Prothese ersetzt. [1]


Quellen/Literatur: 
[1] Freudenberg S.: Endokardfibrose bei Patienten mit Karzinoid-Tumoren, Promotionsarbeit, 2002 [2] Plöckinger, U.: Neuroendokrine gastrointestinale Tumoren, Unimed Science Verlag, 1. Auflage 2007 [3] Gerok, W.: Die Innere Medizin: Referenzwerk für den Facharzt, Schattauer Verlag, 11. Auflage 2007 [4] http://www.medizin-netz.de/krankheiten/herzinsuffizienz-herzversagen/ (zuletzt gesichtet am 19.07.12) [5] http://www.glandula-net-online.de/cms/front_content.php?idcat=75 (zuletzt gesichtet am 19.07.12) [6] http://www.karzinoidtumore.de/medik.php (zuletzt gesichtet am 19.07.12) [7] Patienteninformationen der Techniker Krankenkasse http://www.tk.de/tk/behandeln-a-z/h/herzklappenoperation/25436 (zuletzt gesichtet am 19.07.12) [8] Patienteninformation der AOK zum Karzinoidsyndrom (http://www.aok.de/bundesweit/91267.php?id=2144) (zuletzt gesichtet am 19.07.12)