www.leben-mit-net.de Eine Initiative der
Novartis Pharma GmbH
Für
Fachkreise

Das radioaktiv markierte Somatostatin-Analogon DOTATOC

Das radioaktiv markierte Somatostatin-Analogon DOTATOC bindet an Somatostatin-Rezeptoren von neuroendokrin­en Tumor­en (NET) und sendet radioaktive Strahlung aus. Die kann zur Diagnose oder Therapie von NET genutzt werden

Viele neuroendokrin­e Tumor­en (NET) tragen auf ihrer Zelloberfläche Somatostatin-Rezeptoren, d. h. Bindungsstellen für das körpereigene Hormon Somatostatin. An diese Rezeptoren können auch sogenannte Somatostatin-Analoga binden. Das sind synthetisch hergestellte Substanzen, die eine ähnliche Molekülstruktur aufweisen und vergleichbar wirken wie Somatostatin.
Zur Diagnose und Therapie von NET können Somatostatin-Analoga genutzt werden, die radioaktiv markiert sind. Hierzu müssen die synthetisch hergestellten Substanzen so verändert werden, dass sie sich mit Radionuklide­n verbinden können. Eines dieser veränderten Somatostatin-Analoga bezeichnet man als DOTATOC. Dabei steht „DOTA“ für den Teil der Substanz, der das Radionuklid bindet. „TOC“ ist eine Abkürzung für das Somatostatin-Analogon selbst. Daneben gibt es weitere ähnliche Substanzen, wie z. B. DOTANOC oder DOTATATE.[1,2]

Das Wirkprinzip von DOTATOC

Wird das mit einem Radionuklid beladene DOTATOC in die Blutbahn eingebracht, verteilt es sich im Körper und bindet wie das körpereigene Hormon an die Somatostatin-Rezeptoren der Tumor­zellen. Die gebundenen Radionuklide senden radioaktive Strahlung aus. Diese kann − je nach verwendetem Radionuklid − den Tumor mit Hilfe spezieller Geräte sichtbar machen (Diagnose) oder ihn an Ort und Stelle schädigen (Therapie).

Diagnose von NET mit der DOTATOC-PET-CT

Um NET besonde­rs frühzeitig entdecken und genau lokalisieren zu können, werden die beiden bildgebenden Verfahren Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie (CT) kombiniert und zusammen mit radioaktiv markiertem DOTATOC eingesetzt. Mit der PET lässt sich die Verteilung der schwach radioaktiven Substanz im Körper messen und dann mit Hilfe der CT den entsprechenden Geweben räumlich zuordnen. Eine solche DOTATOC-PET-CT ist eine sehr genaue Methode, um einen neuroendokrin­en Tumor oder Metastase­n eines NET zu diagnostizieren − vorausgesetzt, die Tumorzellen weisen Somatostatinrezeptoren auf.[2–4]
Für die Untersuchung wird DOTATOC meist mit dem Radionuklid Gallium-68 markiert. Das dadurch entstehende 68Ga-DOTATOC reichert sich an den Somatostatin-Rezeptoren der Zellen an und gibt eine schwache radioaktive Strahlung ab, die mittels spezieller Detektoren im Gerät erkannt werden kann. Die empfangenen Signale können dann mittels Computerprogramm umgewandelt und als dreidimensionale Abbildung auf einem Bildschirm dargestellt werden.
Gegenüber der bisher routinemäßig durchgeführten Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie ­hat die PET-CT mit DOTATOC den Vorteil, dass sie sensitiver ist, also auch sehr viel kleinere Tumoren diagnostizieren kann. Außerdem ist die Strahlenbelastung geringer und der Patient profitiert von einer kürzeren Untersuchungszeit.[5]

DOTATOC-PET-MRT − ein neu entwickeltes Verfahren

Ein ganz neues Verfahren zur Diagnose von NET ist die Kombination von PET und Magnetresonanztomographie (MRT) in Verbindung mit radioaktiv markiertem 68Ga-DOTATOC. Der Ersatz der CT durch die MRT kann verschiedene Vorteile bringen:[6]

  • Da die MRT Weichgewebe kontrastreicher darstellt als die CT, kann die Diagnose eines NET in Körperregionen mit verschiedenen, eng benachbarten Weichgewebsarten, wie z. B. in der Oberbauchregion (Bauchspeicheldrüse, Leber) oder im Becken (Darm), noch genauer sein.
  • Bisher erforderliche separate Termine für eine PET- und eine MRT-Untersuchung können auf einen Termin gelegt werden.
  • Letztlich wird auch die Strahlenbelastung für den Patienten gesenkt, da die MRT im Gegensatz zu der CT ohne den Einsatz von Röntgenstrahlung auskommt.

Erste Studienergebnisse zeigen, dass Patienten mit einem neuroendokrin­en Tumor von dieser neuen Diagnosetechnik in Zukunft profitieren könnten.[7]

Radionuklid-Therapie von NET mit DOTATOC

Zur Therapie neuroendokrin­er Tumoren werden Radionuklide an DOTATOC gebunden, die in den Tumoren eine therapeutische Strahlenwirkung erzeugen können. Die gebräuchlichsten Substanzen sind Yttrium-90 (90Y) oder Lutetium-177 (177Lu). Bindet das DOTATOC an die Somatostatin-Rezeptoren des Tumors, sendet das gebundene Radionuklid Strahlung aus, die die Tumorzellen zerstört. Da die Reichweite der Strahlung nur wenige Millimeter beträgt, wird das gesunde Gewebe weitgehend geschont.[1,8]
Eine solche Radionuklid-Therapie oder auch Radiorezeptor-Therapie ist besonde­rs für Patienten mit langsam wachsenden Tumoren/Metastase­n geeignet, die auf eine Chemotherapie meist kaum reagieren. Andere etablierte Therapiemöglichkeiten wie Operation oder lokale Therapie sollten vorher ausgeschöpft sein. Auch Patienten, bei denen die Krankheit trotz einer Behandlung mit Somatostatinanaloga fortschreitet oder Patienten, bei denen die Symptom­e stark ausgeprägt sind, können von einer Radionuklid-Therapie profitieren.[8,9]
Nicht geeignet ist die Behandlung hingegen für Patienten, deren Nierenfunktion eingeschränkt ist, da die Radionuklide über die Nieren ausgeschieden werden und diese dadurch geschädigt werden könnten. Auch Patienten, bei denen die Bildung der Blutzellen im Knochenmark gestört ist, sollten nicht mit einer Radionuklid-Therapie behandelt werden. Liegt ein Tumor mit einem schlechten Differenzierungsgrad vor, dessen Gewebe sehr stark vom Ursprungsgewebe abweicht, ist diese Form der Behandlung ebenfalls nicht angezeigt.[8]

Wie ist der Ablauf der Behandlung?

Im Vorfeld der Therapie wird mittels 68Ga-DOTATOC-PET-CT überprüft, ob genügend Somatostatin-Rezeptoren für eine erfolgreiche Behandlung auf den Tumorzellen vorhanden sind. Auch die Funktionsfähigkeit der Nieren wird genau untersucht. Vor Beginn der Behandlung erhält der Patient eine unterstützende Infusion mit einem Arzneimittel, das die Nieren vor einer Schädigung durch die Strahlung schützt. Diese wird von den Radionukliden freigesetzt, wenn sie mit dem Urin ausgeschieden werden.[8–10]
Für die eigentliche Therapie wird das radioaktiv markierte DOTATOC langsam über eine Hohlnadel (Kanüle) per Infusion in die Vene verabreicht. Währenddessen werden regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt. Nach der Therapie wird mittels Szintigraphie ­wiederholt überprüft, wie gut der Tumor die Therapiesubstanz speichert und wie schnell der übrige Körper das radioaktiv markierte DOTATOC abbaut.[8–10]
Inklusive der nötigen Voruntersuchungen dauert der Aufenthalt in der Klinik insgesamt etwa 5 Tage. Eine Radionuklid-Therapie wird normalerweise in ein bis drei oder auch mehreren Zyklen jeweils im Abstand von drei bis vier Monaten durchgeführt. Dies hängt vom Tumor bzw. dessen Reaktion auf die Behandlung ab und variiert auch von Klinik zu Klinik.[8–10]

Informieren Sie sich

Wenn Sie der Meinung sind, dass eine Untersuchung oder Therapie mit DOTATOC für Sie in Frage kommt, fragen Sie gezielt bei Ihrem behandelnden Arzt nach. Wertvolle Informationen und Erfahrungsberichte können Sie auch erhalten, indem Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen aufnehmen und sich mit anderen Betroffenen austauschen.

Quellen/Literatur: 

Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Siemens Breast Care. [1] Scherübl H. Neuroendokrine Tumoren (NET)/Karzinoide: Therapie (zuletzt besucht am 24.06.2013). Vivantes Klinikum Am Urban - Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité, Berlin; http://www.karzinoidtumore.de/therapie.php [2] Scherübl H. Neuroendokrine Tumoren (NET)/Karzinoide: Diagnose (zuletzt besucht am 24.06.2013). Vivantes Klinikum Am Urban - Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité, Berlin; http://www.karzinoidtumore.de/diagnose.php [3] Universitätsklinik Tübingen. Positronen-Emissions-Tomographie/CT (PET/CT) (zuletzt besucht am 25.06.2013). http://www.medizin.uni-tuebingen.de/Patienten/Kliniken/Radiologie/Diagnostische+und+Interventionelle+Radiologie/Leistungsspektrum/Positronen_Emissions_+Tomographie_CT+(PET_CT).html [4] Deutscher Verlag für Gesundheitsinformation GmbH. Fachportal Radiologie/Nuklearmedizin -PET/CT (zuletzt besucht am 25.06.2013). http://www.medfuehrer.de/Radiologie-Radiologen/PET-CT.html [5] Netzwerk Neuroendokrine Tumoren (NeT) e. V. Neuroendokrine Neoplasien - eine Übersicht (zuletzt besucht am 25.06.2013). http://www.glandula-net-online.de/cms/front_content.php?idcat=75 [6] Netzwerk Neuroendokrine Tumoren (NeT) e. V. PET/MR für NET-Patienten. http://www.glandula-net-online.de/cms/front_content.php?idcat=80&idart=522 [7] Beiderwellen KJ, et al. Simultaneous 68Ga-DOTATOC PET/MRI in patients with gastroenteropancreatic neuroendocrine tumors: initial results. Invest Radiol. 2013;48(5):273–9. [8] Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin et al. Therapie von neuroendokrinen Tumoren (zuletzt besucht am 25.06.2013). http://nuk.klinikum.uni-muenchen.de/therapie/011_ther_neuro_tum.php [9] Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Essen. DOTATOC-Therapie (zuletzt besucht am 25.06.2013). http://www.uni-due.de/nukmed/th-dotatoc.html [10] Zentralklinik Bad Berka GmbH. Radiorezeptor-Tumortherapie (RRT). http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cms/zbb_2/deu/66293.html

Newsartikel Fachkreise: