Nicht nur der Patient selbst steht vor der Herausforderung, sich auf ein Leben mit dem neuroendokrinen Tumor einstellen zu müssen. Auch der Partner und enge Angehörige sind großen emotionalen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Ihre Sorgen und Bedürfnisse müssen Beachtung finden.
Die Diagnose einer schweren und anhaltenden Erkrankung wie der eines neuroendokrinen Tumors (NET) stellt einen tiefen Einschnitt nicht nur im Leben des Patienten dar, sondern trifft auch den Lebenspartner und die Angehörigen. Sorgen um den Kranken treten in den Vordergrund. Die Erkrankung zwingt zu einer Neuausrichtung des Lebens. Jüngere NET-Patienten und deren Partner werden eventuell noch während der Familienplanung oder in einer entscheidenden Phase des Berufslebens von dem Krebs eingeholt. Die Rolle und Funktion innerhalb der Familie und des Freundeskreises verändern sich sowohl für den Patienten als auch für seine Angehörigen. Lebenspläne müssen angepasst, eventuell zurückgestellt oder sogar ganz aufgegeben werden. Zusätzlich kann die Unsicherheit gegenüber der unbekannten Erkrankung belastend wirken, von der die meisten Patienten und Angehörigen vor der Diagnose noch nie etwas gehört haben. Das alles erfordert ein hohes Maß an Kraft und Anpassungsfähigkeit.
Zu Beginn einer NET-Erkrankung können weder der Patient noch seine Angehörigen absehen, welche Belastungen auf sie zukommen, welche Chancen auf Heilung bestehen oder welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Dieses anfängliche Nichtwissen ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Ängsten und Unsicherheit, sowohl beim Patienten als auch bei den Angehörigen.
Gerade zu Beginn einer Erkrankung und in Entscheidungssituationen kann es für den Lebenspartner deshalb von großer Hilfe sein, den Patienten zu Gesprächen mit dem Arzt zu begleiten, um direkt über Untersuchungsergebnisse und Behandlungsschritte informiert zu sein. Krebsexperten ist klar, dass die Erkrankung nicht nur den Patienten selbst, sondern immer auch dessen Umfeld betrifft. Sie sind deshalb in der Regel offen für Gespräche mit Angehörigen, beantworten gerne deren Fragen und versuchen, bei auftretenden Problemen mit Rat und Tat zu helfen.
Scheuen Sie sich als Partner eines NET-Patienten daher nicht, dem Arzt ihre Sorgen und Anliegen persönlich vorzutragen. Verlässliche Informationen und Unterstützung aus erster Hand verschaffen innere Sicherheit, die es erlaubt, besser mit den Belastungen der Erkrankung zurecht zu kommen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Hilfsangeboten, die Angehörige entlasten können. Ein besonders wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist auch die Verarbeitung der Erkrankung eines Elternteils durch Kinder.
Viele Partner und Angehörige von Patienten, möchten dem Erkrankten helfen, so gut wie möglich mit dem neuroendokrinen Tumor zurechtzukommen. Oft sind sie jedoch unsicher, auf welche Weise sie das am besten tun sollten. Auch in diesem Zusammenhang ist es von großem Nutzen, wenn Sie als Partner oder enger Angehöriger genau über die medizinischen Aspekte der Krankheit informiert sind.
Darüber hinaus sollten Sie auch innerhalb Ihrer Beziehung möglichst offen über alle auftretenden Probleme und Sorgen sprechen. Natürlich kann es einmal richtig sein, ein schwieriges Gespräch auf einen anderen Tag zu verschieben. Doch über den monate- und jahrelangen Verlauf einer NET-Erkrankung können weder Ängste noch innere oder äußere Konflikte dauerhaft verdrängt werden, ohne dass dies zu gravierenden Schwierigkeiten und möglicherweise Gesundheitsstörungen führt. Gefühle in der Partnerschaft vertrauensvoll anzusprechen, auch Verzweiflung und Tränen zuzulassen, hilft, einander zu verstehen und eine gemeinsame Basis für den weiteren Umgang mit der Krankheit zu finden.
So wie Informationen über NET und der ehrliche Umgang mit Gefühlen hilft, die Belastungen durch die Erkrankung erträglicher zu machen, ist es für die Angehörigen wichtig, die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit zu erkennen und zu respektieren. Dabei geht es sowohl um körperliche Belastungen, etwa durch die Pflege des Partners oder Angehörigen, als auch um die seelischen Herausforderungen.
NET bedeutet oft einen Umbruch für die Lebensführung. Die Rollen innerhalb der Familie oder Lebensgemeinschaft verändern sich. Unter Umständen ist der Ernährer oder die Ernährerin der Familie nicht mehr in der Lage, seiner Arbeit nachzugehen. Haushaltsarbeit, die Betreuung der Kinder, Freizeitaktivitäten, Ernährungsgewohnheiten und viele andere Aspekte des täglichen Lebens müssen eventuell neu geregelt werden. Zusätzlich ist vielleicht noch die Pflege des Patienten zu organisieren. Angehörige und Lebenspartner neigen in dieser Situation dazu, Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen, ohne allzu sehr auf ihre eigenen Kräfte zu achten.
Bedenken Sie jedoch, dass die Belastungsfähigkeit jedes Menschen ihre Grenzen hat. Auch in schwierigen Lebenssituationen ist es keine dauerhaft tragfähige Lösung, wenn Menschen Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zugunsten eines anderen Menschen zurückstellen. Vermutlich würde auch Ihr erkrankter Partner nicht wollen, dass Sie Ihre Gesundheit für seine Pflege opfern. Es ist ein Zeichen wechselseitigen Respekts, wenn Patienten und Angehörige sich trotz aller Belastungen Freiräume gewähren - und diese auch annehmen. So verdient und braucht der pflegende Partner Auszeiten, Erholung und ergänzende Lebensinhalte, die nicht mit NET in Verbindung stehen. Und ebenso haben die Patienten Anspruch darauf, durch Pflege und Betreuung nicht entmündigt werden.
Für betreuende Angehörige von Krebspatienten ist es wichtig, sich frühzeitig nach Hilfsmöglichkeiten und -angeboten umzuschauen, die bei der Versorgung des NET-Patienten entlasten. Freunde und Arbeitskollegen können eine große Hilfe sein, einen Teil der Last der Erkrankung von den Schultern der Angehörigen zu nehmen. Wichtig ist es dabei offen auf diese Menschen zuzugehen und Ihnen frühzeitig die Unsicherheit in Hinblick auf die Erkrankung zu nehmen. Viele Menschen sind bereit, einen Beitrag zur Betreuung des Patienten zu leisten und den Angehörigen die Freiräume zu verschaffen, die sie dringend benötigen, um ihre Kräfte wiederherzustellen.
Darüber hinaus besteht ein breites Angebot von institutionellen Hilfsmaßnahmen. Dieses reicht von der häuslichen Pflege über alle Formen von Sozialleistungen bis hin zu finanzieller Unterstützung in Krisenfällen.