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Karzinoidsyndrom: Arznei- und Lebensmittel können die Laborwerte verfälschen

18.02.2011

Um ein Karzinoidsyndrom zu diagnostizieren und den Krankheitsverlauf zu beobachten, werden bestimmte Laborwerte ermittelt. Für Patienten ist es wichtig, zu wissen, dass einige Lebensmittel und Arzneimittel diese Werte verfälschen können.

Von einem Karzinoidsyndrom spricht man, wenn neuroendokrine Tumoren das Hormon Serotonin produzieren. Zu den Hauptsymptomen eines Karzinoidsyndrom gehören z. B. anfallsartige Rötung der Haut, Durchfälle oder Atembeschwerden, wobei nicht jeder Patient alle Symptome aufweist.

Während der Behandlung des Karzinoidsyndroms sollten zwei Laborwerte in regelmäßigen Abständen bestimmt werden, um den Krankheitsverlauf und den Therapieerfolg zu überwachen [1].
Dies sind:

  • Chromogranin A (CgA), der Tumormarker für neuroendokrine Tumoren
  • Serotonin bzw. seine Abbauprodukte (siehe im nächsten Abschnitt); Serotonin ist das Hormon, das die Beschwerden beim Karzinoidsyndrom verursacht.

 

Statt Serotonin wird dessen Abbauprodukt bestimmt

Während Chromogranin A anhand einer einfachen Blutprobe bestimmt werden kann, unterliegt der Blutspiegel von Serotonin starken tageszeitlichen Schwankungen und ist deshalb für eine Tumordiagnostik regelmäßig zu unsicher. Aussagekräftige Werte liefert hingegen die Untersuchung eines Abbauproduktes von Serotonin: Serotonin wird vor allem in der Leber zu einer wasserlöslichen Substanz, der 5-Hydoxyindolessigsäure (5-HIES), abgebaut, die dann mit dem Urin ausgeschieden werden kann. Für die Bestimmung von 5-HIES muss der Urin des Patienten über 24 Stunden gesammelt werden [2]. Bei der Uringewinnung muss berücksichtigt werden, dass es verschiedene Faktoren gibt, die den 5-HIES-Wert verfälschen können.

 

Arznei- und Nahrungsmittel können Laborergebnisse verfälschen

Serotonin kommt natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor. Patienten, bei denen eine 5-HIES-Bestimmung geplant ist, sollten deshalb drei Tage vor der Untersuchung auf bestimmte Obst- und Gemüsesorten verzichten (siehe Tabelle 1), damit die Werte nicht falsch hoch ausfallen. Auch Genussmittel wie Kaffee oder Nikotin können die 5-HIES-Werte beeinflussen.

 

Serotoninhaltige Obst- und Gemüsesorten
Bananen
Ananas
Kiwis
Pflaumen
Johannisbeeren
Zwetschgen
Stachelbeeren
Mirabellen
Melonen
Avocados
Auberginen
Tomaten
Walnüsse

Tab. 1: Lebensmittel, die zu falsch hohen 5-HIES-Werten führen können.

 

Falsch niedrige Werte können dagegen bei Patienten mit Nierenerkrankungen oder nach vermehrtem Alkohol-Konsum auftreten [2].
Auch bestimmte Arzneimittel können die Ausscheidung von 5-HIES beeinflussen (siehe Tabelle 2) [1, 2, 3].

 

Arzneimittel, die zu falsch
erhöhten Werten führen können

Arzneimittel, die zu falsch
erniedrigten Werten führen können

Acetanilid
Cumarine
Coffein
Ephedrinhydrochlorid
Fluouracil

 

Metamphetamin
Methocarbamol
Paracetamol
Phenacetin
Phenobarbital
Phentolamin
Reserpin
Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer

Salicylate
Chlorpromazin
Hydralazine
Imiprazin
Isoniazid
L-Dopa
Levodopa
MAO-Hemmer
Promethazin
Streptozotocin

 

 

Tab. 2: Arzneimittel, die die 5-HIES-Werte beeinflussen können.

 

Wenn möglich, sollten die o. g. Arzneimittel drei Tage vor der Untersuchung nicht eingenommen werden. Wenn Sie die genannten Wirkstoffe nicht kennen oder Sie sich nicht sicher sind, ob ein Medikament, das Sie einnehmen müssen, einen dieser Wirkstoffe enthält, fragen Sie Ihren Arzt, wenn bei Ihnen eine Laboruntersuchung durchgeführt werden soll.

Quellen:
[1] Neuroendokrine Tumoren, Patientenbroschüre der Novartis Pharma GmbH, 2006
[2] Homepage des Hy-Labor Gelsenkirchen http://www.hygel.de/d/2923/ (besucht am 20.12.2010)
[3] Homepage des Medizinischen Versorgungszentrums Labor 28 http://www.labor28.de/laborinfo/labinfo79.html (besucht am 20.12.2010)
[4] Patienteninfo der Uniklinik Ulm http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Zentrale_Einrichtungen/Klinische_Chemie/Dokumente/Patienteninfo_HIES.pdf (besucht am 20.12.2010)

Stand: 20.12.2010
Autor: Michaela Spaeth-Dierl

Dies ist ein Service von Novartis Oncology
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