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Wie werden Lebermetastasen behandelt?

08.04.2009

Absiedelungen von neuroendokrinen Tumoren in der Leber können für die Betroffenen erhebliche Beschwerden nach sich ziehen. Verschiedene Therapiemethoden erlauben es, die Absiedelungen gezielt zu bekämpfen.

Neuroendokrine Tumoren (NET) werden in vielen Fällen erst bemerkt, wenn sie Absiedelungen in der Leber (Lebermetastasen) gebildet haben. Die Absiedlungen tragen auf zwei unterschiedlichen Wegen zu den Beschwerden der Betroffenen bei. Sie können zur Vergrößerung der Leber führen und das gesunde Lebergewebe verdrängen sowie den Körper durch die Freisetzung von Hormonen belasten, insbesondere von Serotonin, das das Karzinoidsyndrom hervorruft.

Nicht jede Lebermetastase eines neuroendokrinen Tumors muss über die Standardtherapie mit Somatostatin-Analoga oder Interferon alpha hinaus behandelt werden. Bei langsam wachsenden Metastasen genügt die regelmäßige Kontrolle der Leber mittels Ultraschall, Computertomographie (CT), Kernspintomographie (MRT) oder Szintigraphie. Wachsen Metastasen hingegen um mehr als 25 Prozent innerhalb von sechs Monaten oder treten zusätzliche Metastasen auf, sollten die Metastasen gezielt behandelt und nach Möglichkeit entfernt werden. Neben der klassischen Operation, die mit entsprechenden Belastungen verbunden ist, steht dazu eine Reihe alternativer Verfahren zur Verfügung. Bei der Wahl der Methode spielt unter anderem die Zahl der Lebermetastasen eine Rolle.


Maximal 5 Lebermetastasen

Operation: Bei der klassischen Operation werden die Tumorherde bzw. Metastasen mitsamt eines Saums aus gesundem Gewebe aus der Leber herausgeschält. Dadurch lässt sich sicherstellen, dass das gesamte Tumorgewebe entfernt wird. Es kann erforderlich sein, Leberabschnitte zu entfernen, die erheblich größer als der eigentliche Krankheitsherd sind.

Radiofrequenzablation (RF-Ablation): Für die Behandlung ist keine Operation erforderlich. Durch kleine Hautschnitte wird ein Instrument zu den Metastasen bzw. Tumorherden vorgeschoben. Das Instrument erzeugt ein hochfrequentes elektromagnetisches Feld, durch das das Tumorgewebe erwärmt und zerstört („verkocht") wird. Das abgestorbene Gewebe wird anschließend vom Körper abgebaut. Als Obergrenze für die Größe der einzelnen Tumorherde gilt ein Durchmesser von 5 cm. Bei größeren Herden muss auf andere Verfahren zurückgegriffen werden.

Laser-induzierte Thermotherapie (LITT): Das Verfahren ähnelt dem der RF-Ablation. Zur Erwärmung des Gewebes wird jedoch Laserlicht eingesetzt. Auch für die LITT gilt eine Obergrenze von 5 cm für behandelbare Metastasen bzw. Tumorherde.

Kryotherapie: Die Kryotherapie ähnelt im Prinzip den beiden vorgenannten Verfahren. Die Zerstörung des Tumorgewebes erfolgt jedoch nicht mit Wärme, sondern mit Kälte. In der Regel wird dafür auf flüssigen Stickstoff zurückgegriffen, der -196 °C oder noch kälter ist.

 

Größere Zahl von Metastasen

Transarterielle Chemoembolisation (TACE): Bei der TACE wird von der Leiste aus ein Katheter in die Arterie vorgeschoben, die die Leber mit Blut versorgt. Diese Arterie teilt sich in der Leber in zwei Äste, die unabhängige Leberbereiche versorgen. Innerhalb einer Behandlungssitzung schiebt der Arzt den Katheter in jeweils nur einen der Äste vor. Dort wird ein Zellgift (Zytostatikum, Chemotherapeutikum) freigesetzt, das bevorzugt die Tumorzellen schädigt, allerdings auch gesunde Leberzellen in Mitleidenschaft zieht. Anschließend verstopft der Arzt diesen Leberarterienast mit speziellen Kunststoffkügelchen, um die Tumorabsiedelungen von der Versorgung mit Sauerstoff abzuschneiden. Nach einem Intervall von sechs bis acht Wochen kann der zweite Leberarterienast behandelt werden. In der Zwischenzeit erholt sich das gesunde Lebergewebe wieder. Mit der TACE lassen sich auch viele kleine Absiedelungen in der Leber behandeln. Die Gabe des Chemotherapeutikums direkt in die Leber schont den Körper und erlaubt deshalb eine höhere Dosierung.

Selektive interne Radiotherapie (SIRT): Das prinzipielle Vorgehen bei der SIRT ähnelt der Behandlung durch Chemoembolisation. Anstelle eines Zellgiftes werden jedoch kleine Kügelchen, die das radioaktive Element Yttrium-90 enthalten, in die Leberarterie gespritzt. Hier erfolgt eine Behandlung der gesamten Leber zum gleichen Zeitpunkt. Die Kügelchen bleiben in den feinen Arterien hängen, die die Leber und die Tumorherde mit Blut versorgen. Die Strahlung von Yttrium-90 reicht im Gewebe nur etwa 1 cm weit. Daher dringt keine Strahlung aus dem Körper nach außen, und besondere Strahlenschutzmaßnahmen müssen nicht ergriffen werden.

Wie die TACE schädigt auch die SIRT bevorzugt die Tumorzellen, so dass sich die Leberzellen, nachdem die Strahlung der Yttrium-90-Kügelchen innerhalb von zwei bis drei Wochen abgeklungen ist, von der Behandlung erholen. Die Leberfunktion wird also nicht dauerhaft geschädigt.

 

Autor: Jan Groh
Quellen: Nach Informationen von:
Pavel M: Was sind neuroendokrine Tumoren? Übersicht zur Klassifikation, Diagnostik und Therapie. GLANDULA Net 2006;7:10-5
Auernhammer CJ: Medikamentöse Therapie bei neuroendokrinen Tumoren. GLANDULA Net 2006;7:35-8
Scott NP, et al.: Carcinoid Tumors. The Oncologist 2008;13:1255–69
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