Somatostatin-Analoga können die Hormonausschüttung und das Wachstum vieler neuroendokriner Tumoren verringern. Voraussetzung ist jedoch, dass der Tumor Hormone ausschüttet und Somatostatin-Rezeptoren trägt.
Somatostatin-Analoga sind Medikamente, die in ihrer molekularen Struktur dem körpereigenen Hormon Somatostatin ähneln. Somatostatin wird im so genannten Hypothalamus gebildet, einer Hirnregion, die eine zentrale Rolle bei der Regulation zahlreicher Hormone im Körper spielt. Somatostatin ist der natürliche Gegenspieler des Wachstumshormons, dessen Produktion und Ausschüttung gehemmt wird. Außerdem wirkt Somatostatin der Produktion und Freisetzung von Hormonen und Sekreten in zahlreichen Drüsengeweben des Körpers entgegen, insbesondere im Magen-Darmtrakt. Beeinflusst werden unter anderem die Hormone Insulin und Glukagon, Gastrin, Cholezystokinin, Sekretin und Vasoaktives intestinales Peptid (VIP) sowie die Freisetzung der Magensäure.
Da eine Reihe dieser Hormone bei den Symptomen eine Rolle spielen, die durch funktionell aktive neuroendokrine Tumoren (NET) ausgelöst werden können, ist die Unterdrückung der Hormonproduktion durch den Tumor ein wichtiger Ansatz in der NET-Therapie. Natürliches Somatostatin selbst eignet sich hierfür allerdings nicht, da es im Körper rasch inaktiviert wird. Aus diesem Grund wurden in aufwändiger Forschungsarbeit so genannte Somatostatin-Analoga entwickelt. Sie weisen im Körper eine ähnliche Wirkung wie Somatostatin auf, werden jedoch erheblich langsamer abgebaut.
Moderne Somatostatin-Analoga werden entweder dreimal täglich unter die Haut (subkutan, s.c.) bzw. bei spezieller Aufbereitung in Mikrokapseln, die den Wirkstoff verzögert freisetzen (Depotform), einmal im Monat in die Muskulatur oder tief unter die Haut gespritzt. Die Behandlung erfolgt heute in der Regel mit den lang wirkenden Depotformen.
Da die Somatostatin-Analoga bei NET zur Linderung von Symptomen eingesetzt werden, die auf die Freisetzung von Hormonen zurückgehen, sind sie für die Behandlung bei funktionell aktiven Tumoren zugelassen. Weil sie ihre Wirkung über bestimmte Kopplungsstellen auf der Oberfläche des Tumorgewebes entfalten, die so genannten Somatostatin-Rezeptoren, ist eine weitere Voraussetzung, dass die Tumorzellen die entsprechenden Rezeptoren ausbilden. Ein Nachweis dieser Rezeptoren ist jedoch nicht immer möglich.
Insbesondere funktionell aktive NET des Magen-Darm-Trakts und der Bauchspeicheldrüse (GEP-NET) tragen häufig Somatostatin-Rezeptoren und eignen sich daher für die Behandlung mit Somatostatin-Analoga. Allerdings bestehen auch bei den GEP-NET Unterschiede zwischen den einzelnen Tumorarten. Für Karzinoidsyndrom, VIPom und Glukagonom sind Somatostatin-Analoga die Medikamente der ersten Wahl:
Zur Behandlung von Insulinomen und Gastrinomen werden Somatostatin-Analoga weniger regelmäßig eingesetzt:
Mögliche Nebenwirkungen der Therapie mit Somatostatin-Analoga sind unter anderem Rötung, Schwellung bzw. Schmerz an der Injektionsstelle, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen und Gallensteine. Bei Patienten mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) muss eventuell die Behandlung mit Insulin angepasst werden.