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Hormone – Botenstoffe mit unterschiedlichsten Aufgaben

10.08.2010

Hormone steuern zahlreiche Vorgänge im Körper. Neuroendokrine Tumoren führen zu einer übermäßigen Hormonproduktion – mit unterschiedlichsten Symptomen.

Der Begriff Hormon stammt aus dem Griechischen und heißt "antreiben, erregen". Hormone sind Botenstoffe, die vielfältige Funktionen und Stoffwechselprozesse im Körper steuern. Hierzu gehören z. B. Wachstum, Kreislauffunktion, Atmung, Körpertemperatur, Fortpflanzung etc. Sie werden in speziellen Zellen gebildet. Hierzu zählen die Zellen der großen Drüsen (wie Schilddrüse, Eierstöcke und Hoden, Bauchspeicheldrüse etc.), aber auch die Zellen des neuroendokrinen Gewebes, das in Bauchspeicheldrüse, Magen-Darm-Trakt und Lunge vorkommt. Diese Zellen geben die Hormone an die Blutbahn ab, die messbaren Konzentrationen liegen im µg- (Mikrogramm = 1 millionstel Gramm) und ng (Nanogramm = 1 milliardstel Gramm)-Bereich.

 

Kleine Ursache – große Wirkung: Störungen im Hormonhaushalt

Der Hormonhaushalt des Menschen ist ein komplexes Regelwerk, dessen Gleichgewicht dadurch gewährleistet wird, dass sich viele Hormone in ihrer Produktion und Freisetzung gegenseitig regulieren. Vergleichbar mit den Zahnrädchen eines Uhrwerks, kann eine Veränderung an einer Stelle dieses Regelwerks das Zusammenspiel erheblich stören. Eine Fehlregulation, die Zerstörung aber auch vermehrtes Wachstum von Drüsengewebe führen dazu, dass entweder zu viel oder zu wenig Hormon gebildet wird.

Ein bekanntes Beispiel ist der Typ1-Diabetes, die Zuckerkrankheit, bei der die Zerstörung von Bauchspeicheldrüsengewebe zu einem Insulinmangel führt.


Modell des Insulins

 

 

 

 

 

 

 


Abb.
Modell des Insulins

 

Neuroendokrine Tumoren bilden Hormone im Überschuss

Bei Patienten mit neuroendokrinem Tumor ist hingegen ein Zuviel an Hormonen die Wurzel allen Übels. Etwa ein Drittel der neuroendokrinen Tumoren sind funktionell aktiv, dass heißt sie bilden Hormone und geben diese ans Blut ab. Das charakteristische Krankheitsbild, das der Tumor hervorruft, wird davon bestimmt, welches Hormon er produziert. In den meisten Fällen wird der Tumor nach diesem benannt.

 

Tab. Übersicht funktionell aktive neuroendokrine Tumoren

Name des Tumors (produziertes Hormon) Normale Wirkung
des Hormons
Sitz des Tumors Symptome
Insulinom (Insulin) Senkung des Blutzucker­spiegels, Fett- und Eiweiß­stoffwechsel, Kalium­haushalt Bauchspeichel-
drüse
Unterzucker (Schwäche, Schwitzen, Zittrigkeit, Konzentrations-
störungen, Heißhunger, etc.)
Gastrinom (Gastrin) Fördert die Bildung von Magen­säure und Histamin, stimuliert die Magen- und Darm­bewegung Bauchspeichel­-
drüse,
Zwölf­finger­darm
Über­säuerung des Magens, Magen- und Zwölffingerdarm- geschwüre, Durchfälle
VIPom (Vasoaktives intestinales Peptid (VIP)) Führt zur Erschlaffung der Muskulatur in Magen, Darm, Lunge, erweitert die Blutgefäße und Bronchien, hemmt die Magensäure­bildung und die Blutgerinnung Zu 90 % in der Bauchspeichel-
drüse, bei Kindern manchmal am Grenzstrang des Rückenmarks
Wässrige Durchfälle, Muskelschwäche, Erbrechen, Flush
Glukagonom (Glukagon) Abbau von Glykogen (Speicherform von Zucker in Leber und Muskulatur) führt zur Erhöhung des Blutzucker­spiegels Bauchspeichel-
drüse
Erhöhter Blutzuckerspiegel, Gewichtsverlust, Blutarmut, Ausschlag an Armen und Beinen, Entzündungen der Mundschleimhaut
Karzinoid-Syndrom (Serotonin) Förderung der Darmbewegung, Regulation des Blutdrucks, Einfluss auf Schlaf-Wachrhythmus, Stimmung, Appetit
Darm Krampfartige Bauchschmerzen, Durchfälle, Flush



Individuelle Beschwerden – individuelle Therapie

Oberstes Ziel bei der Behandlung neuroendokriner Tumoren ist die Entfernung des Tumors und damit eine Unterbindung der Hormonproduktion. Doch nicht immer lässt sich dieses Ziel verwirklichen. Dann muss mit Medikamenten versucht werden, der Symptome Herr zu werden und das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Mannigfaltigkeit der Tumoren legt nahe, dass es kein einheitliches Behandlungskonzept geben kann. Die Wahl des Medikaments oder einer Kombination von Medikamenten muss sich deshalb immer am Tumortyp orientieren.

Neben den großen Unterschieden haben viele neuroendokrine Tumoren jedoch auch eine Gemeinsamkeit: Sie tragen an ihrer Oberfläche Bindungsstellen für Somatostatin, einem weiteren Hormon, das u. a. die Hormonausschüttung in verschiedenen Körperzellen hemmt. Eine Therapie mit Somatostatin-Analoga kann deshalb bei vielen neuroendokrinen Tumoren die Symptome bessern, indem es die Hormonausschüttung reduziert, und in manchen Fällen sogar eine Verkleinerung des Tumors bewirken.

Quelle: Internisten-im-Netz.de, Laborlexikon.de, medizininfo.de, Herold Innere Medizin, Patientenbroschüre: Neuroendokrine Tumoren des Magen-Darm-Trakts und der Bauchspeicheldrüse
Stand: 09.07.2010
Autor: Michaela Spaeth-Dierl

Dies ist ein Service von Novartis Oncology
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