NET werden neben anderen Kriterien auch nach Ihrem Entstehungsort eingeteilt. Am häufigsten betreffen sie Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse. Erkunden Sie anhand der Grafik, welche Aufgaben die Organe des Magen-Darm-Traktes haben und welche Symptome von NET sich daraus ableiten lassen.
Neuroendokrine Tumor-Erkrankungen (NET) werden nach verschiedenen Kriterien (siehe auch "Neuroendokrine GEP-Tumoren (Karzinoid)") eingeordnet. Ein Kriterium ist dabei die Lokalisation des Ausgangstumors.
NET können im Körper prinzipiell überall dort auftreten, wo neuroendokrines Gewebe existiert. Derartige Zellen finden sich in einer Vielzahl von Organen, unter anderem im Magen, in den verschiedenen Abschnitten des Darms, in der Bauchspeicheldrüse und in der Lunge.
Mit dem Kürzel GEP-NET bzw. der Bezeichnung gastroenteropankreatische NET werden in der medizinischen Fachsprache die neuroendokrinen Tumoren des Magen-Darm-Traktes bezeichnet. Die drei Buchstaben GEP stehen für:
Gaster = Magen
Enteron = Darm
Pankreas = Bauchspeicheldrüse
Aufgrund ihres Entstehungsortes werden GEP-NET drei unterschiedlichen Abschnitten des Magen-Darm-Traktes zugeordnet (vgl. Abbildung 1): dem Vorderdarm (engl. foregut), dem Mitteldarm (engl. midgut) sowie dem Hinterdarm (engl. hindgut).
Die Lungen und die Atemwege (Luftröhre und Bronchien) nehmen unter den Entstehungsorten von GEP-NET eine Sonderstellung ein, da sie nicht zu den Verdauungs-, sondern zu den Atmungsorganen gehören. Aus diesem Grund werden NET-Erkrankungen der Lungen streng genommen nicht zu den GEP-NET gerechnet. Da es sich in der Praxis jedoch als sinnvoll erwiesen hat, NET der Lungen und des Magen-Darm-Traktes zusammenzufassen, ordnen manche wissenschaftlichen Quellen NET-Erkrankungen der Lungen dem Vorderdarm zu.
Abbildung 1: Klicken Sie mit der Maus auf die drei Bereiche Vorderdarm, Mitteldarm und Hinterdarm. Erfahren Sie, welche Aufgaben die zugehörigen Organe haben und welche Symptome von NET sich daraus ableiten lassen (Abb. modifiziert nach Glandula NeT, Heft 8-2006, Seite 21; Beitrag von Prof. Dr. med. T. Meyer, Chirurgische Universitätsklinik Erlangen).
Zum Vorderdarm (Foregut) rechnen Mediziner die Lungen, die Speiseröhre, den Magen (Gaster), den Zwölffingerdarm (Duodenum) und die Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Etwa 40–50 % aller GEP-NET entstehen in diesen Organen (siehe auch Abbildung 2).
Lungen (Pulmo) und Bronchien:
Die Lungen und die Atemwege (Luftröhre und Bronchien) gehören zwar zu den Atmungsorganen, werden in manchen wissenschaftlichen Untersuchungen zu neuroendokrinen Tumoren aber dem Vorderdarm zugeordnet. Zahlenmäßig sind die Lungen Ausgangspunkt von etwa 5–20 % aller NET-Erkrankungen.
Die Lungen dienen dem Gasaustausch zwischen dem Blut und der Luft. Aus der Einatemluft wird Sauerstoff ins Blut aufgenommen, im Körper durch die biochemischen Prozesse der Zellatmung in CO2 umgewandelt und in dieser Form mit der Ausatemluft wieder vom Körper abgegeben.
Die wichtigsten Symptome von Lungen-NET sind Husten und Bluthusten, die infolge der Verlegung der Atemwege durch den Tumor entstehen. Ein Karzinoidsyndrom [http://www.leben-mit-net.de/medizinisches-wissen/krankheitsbild/karzinoidsyndrom/] tritt nur bei wenigen Patienten auf, da Lungen-NET nur in 3–5 % der Fälle Metastasen in der Leber bilden. Voraussetzung für das Entstehen eines Karzinoidsyndroms ist eine Überproduktion und Freisetzung von Serotonin. Dies geschieht in der Regel erst bei vorhandenen Lebermetastasen.
Speiseröhre (Ösophagus):
Die Speiseröhre verläuft vom Rachen bis zum Magen und transportiert die Nahrung vom Mund, wo bereits eine erste Verdauung durch Enzyme im Speichel beginnt, zur weiteren Verwertung im Magen und Darm.
GEP-NET der Speiseröhre sind sehr selten.
Magen (Gaster): Der Magen ist ein Muskelschlauch, der sich in einem Bögen von der linken auf die rechte Seite des Oberbauchs zieht. Seine Funktion besteht darin, die Nahrung durch Muskelbewegung weiter zu zerkleinern und durch die Magensäure sowie Eiweiß spaltenden Enzymen auf die weitere Verdauung im Darm vorzubereiten. Zur hormonellen Regelung der Verdauung gibt der Magen – wie auch der Zwöffingerdarm – das Hormon Gastrin ab. Dennoch finden sich Gastrin produzierende NET, sog. Gastrinome [http://www.leben-mit-net.de/medizinisches-wissen/krankheitsbild/gastrinom/], in der Regel nicht im Magen, sondern im Zwölffingerdarm oder in der Bauchspeicheldrüse.
Zwöffingerdarm (Duodenum):
Der Zwölffingerdarm ist der erste Darmabschnitt, der sich an den Magen anschließt. Seine Funktion besteht darin, die vom Magen mit der Nahrung abgegebene Magensäure zu neutralisieren und die weitere Verdauung durch Enzyme einzuleiten. Das geschieht durch die Zufuhr einer Vielzahl nahrungsspaltender Substanzen aus der Bauchspeicheldrüse im mittleren Bereich des Zwölffingerdarms.
GEP-NET im Zwölffingerdarm bilden besonders oft das Hormon Gastrin, aber auch Insulin oder Somatostatin. Da Gastrin die Säure- und Enzymproduktion im Magen anregt, können Magen- und Zwölffingerdarmreizungen bis hin zur Bildung von Geschwüren die Folge sein.
Bauchspeicheldrüse (Pankreas):
Die Bauchspeicheldrüse befindet sich im hinteren Teil des Oberbauchs. Sie verläuft von links nach rechts und mündet zusammen mit den Gallengängen in den mittleren Abschnitt des Zwölffingerdarms. Die Aufgaben der Bauchspeicheldrüse sind die Abgabe von Verdauungsenzymen in den Darm und die Abgabe von Regulationshormonen an das Blut. Am bekanntesten ist das Hormon Insulin, das die Aufnahme von Zucker in Muskel- und Fettzellen ermöglicht und auf diese Weise den Zuckerspiegel im Blut senkt. Auch der Gegenspieler des Insulins, das Hormon Glucagon, das Zucker aus den Geweben freisetzt und den Zuckerspiegel steigen lässt, wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet.
GEP-NET der Bauchspeicheldrüse können eine Vielzahl von Hormonen freisetzen. Mit einem Anteil von rund 30 % sind jedoch Insulinome [http://www.leben-mit-net.de/medizinisches-wissen/krankheitsbild/insulinom/] besonders häufig. Auch Gastrinome [http://www.leben-mit-net.de/medizinisches-wissen/krankheitsbild/gastrinom/] und nahezu alle Glucagonome sind hier zu finden.
Der Begriff Mitteldarm (Midgut) fasst die Darmabschnitte zusammen, die sich an den Zwölffingerdarm anschließen und bis in den Dickdarm reichen. Dabei handelt es sich um den Leerdarm (Jejunum) und den Krummdarm (Ileum), die zusammen mit dem Zwölffingerdarm den Dünndarm bilden, den Blinddarm (Caecum), den Wurmfortsatz (Appendix) sowie die ersten beiden Abschnitte des Dickdarms (Colon), das aufsteigende und das querlaufende Colon (Colon ascendens bzw. Colon transversum). Ebenfalls zum Midgut werden gelegentlich die Leber und bei Frauen die Eierstöcke gezählt, die allerdings nur sehr selten Ausgangspunkt von GEP-NET sind. Die Leber spielt jedoch als Organ, in dem sich bevorzugt Metastasen [http://www.leben-mit-net.de/medizinisches-wissen/article-wie-werden-lebermetastasen-behandelt--19042.html] von GEP-NET absiedeln, eine entscheidende Rolle für den Krankheitsverlauf von GEP-NET-Erkrankungen. Rund 30–40 % aller GEP-NET entstehen im Midgut (siehe auch Abbildung 2).
Leerdarm (Jejunum):
Der Krummdarm schließt sich an den Zwölffingerdarm an und liegt im Unterbauch. Hier wird die Nahrung in ihre Bestandteile aufgeschlossen und bereits zum Teil resorbiert. Eine klare Abgrenzung zum Krummdarm ist nicht möglich.
GEP-NET des Leerdarms sind selten.
Krummdarm (Ileum):
Der Krummdarm stellt den letzten Abschnitt des Dünndarms dar. Er schlängelt sich durch den Unterbauch und reicht bis an den Anfang des Dickdarms. Auch der Krummdarm dient der Resorption von Nahrungsbestandteilen. Darüber hinaus finden sich hier Resorptionsbereiche für die von der Leber abgegebenen Gallensäuren, die für eine funktionierende Fettverdauung unerlässlich sind, sowie für das lebenswichtige Vitamin B12. Müssen im Zuge einer chirurgischen Behandlung von GEP-NET Teile insbesondere des Endbereichs des Krummdarms (sog. terminales Ileum) entfernt werden, können schwerwiegende Verdauungsstörungen die Folge sein.
GEP-NET im Ileum bilden oft Serotonin. Kommt es zur Absiedelungen von Tochtergeschwülsten solcher Tumoren in der Leber, bildet sich ein Karzinoidsyndrom [http://www.leben-mit-net.de/medizinisches-wissen/krankheitsbild/karzinoidsyndrom/] heraus. GEP-NET im Krummdarm machen bis zu zwei Drittel aller NET im Midgut und bis zu einem Viertel aller GEP-NET aus.
Blinddarm (Caecum):
Der Blinddarm ist eine Aussackung des Dickdarms, die sich unterhalb der Einmündung des Krummdarms in den Dickdarm im rechten Unterbauch befindet.
GEP-NET des Blinddarms sind selten.
Wurmfortsatz (Appendix):
Der Wurmfortsatz, die Appendix, ist ein dünner Fortsatz des Blinddarms, der eine wichtige Rolle für das Abwehrsystem des Darms spielt. Bei einer so genannten „Blinddarm“entzündung ist in der Regel hauptsächlich der Wurmfortsatz betroffen. Bei einer typischen Blinddarmoperation wird daher auch nicht der Blinddarm, sondern der Wurmfortsatz entfernt. Vergleichsweise oft werden GEP-NET im Wurmfortsatz zufällig im Rahmen einer Blinddarmentfernung festgestellt.
GEP-NET des Wurmfortsatzes sind bei Frauen häufiger anzutreffen als bei Männern und können einen ähnlich hohen Anteil an Midgut-NET ausmachen wie GEP-Net im Krummdarm.
Aufsteigender und querlaufender Dickdarm (Colon ascendens und transversum):
Der Dickdarm erstreckt sich in einem Bogen vom rechten Unterbauch zum rechten Oberbauch (Colon ascendens), anschließend im Oberbauch auf die linke Körperseite (Colon transversum) und steigt dann – im Sinne der Einteilung von GEP-NET bereits als Hindgut (Hinterdarm) – auf der linken Körperseite ins Becken ab (Colon descendens) um sich in einem s-förmigen Bogen in die Mitte des Unterbauchs fortzusetzen (Colon descendens und Sigmoid). Die Funktion des Dickdarms besteht vor allem in der Verdickung der Nahrung, der nach Abschluss der Resorption von Nährstoffen im Dünndarm überschüssiges Wasser und Salze entzogen werden.
GEP-NET in diesem Bereich sind sehr selten.
Zum Hinterdarm (Hindgut) zählen der absteigende (Colon descendens) und der s-förmige Dickdarm (Colon sigmoideum, Sigmoid) sowie der End- oder Mastdarm (Rectum), der nicht mehr zum Dickdarm zählt. Nur etwa 5 % aller GEP-NET nehmen ihren Ausgang im Hindgut (siehe auch Abbildung 2).
absteigender und s-förmiger Dickdarm (Colon descendens und Sigmoid):
Die Funktion auch dieser Abschnitte des Dickdarms besteht vor allem in der Verdickung der Nahrung, indem überschüssiges Wasser und Salze entzogen werden.
In diesem Bereich des Dickdarms sind GEP-NET sehr selten.
End- bzw. Mastdarm (Rectum):
Der End- oder Mastdarm dient als Speicherbehälter für den Stuhl vor der Entleerung. Er stellt den letzten Abschnitt des Verdauungstrakts dar.
Der größte Teil aller Hindgut-NET ist im Mastdarm angesiedelt. Die Tumoren verursachen in der Regel kaum Beschwerden und sind zumeist nicht funktionell aktiv [http://www.leben-mit-net.de/medizinisches-wissen/krankheitsbild/article-neuroendokrine-gep-tumoren-karzinoid-13913.html], geben also keine Hormone ins Blut ab.
Nicht in allen Fällen von GEP-NET gelingt es, den Ausgangstumor der Erkrankung, den so genannten Primärtumor, im Körper zu lokalisieren. Bei ca. 10 % aller GEP-NET bleibt der Ausgangspunkt der Erkrankung daher unbekannt.
In 1-2 % aller GEP-NET-Erkrankungen befindet sich der Primärtumor nicht in den Lungen oder dem Magen-Darm-Trakt, sondern z. B. in den Eierstöcken oder sonstigen Organen.

Abbildung 2: Häufigkeit neuroendokriner Tumoren (Angaben in %) (Abb. modifiziert nach Glandula NeT, Heft 8-2006, Seite 21; Beitrag von Prof. Dr. med. T. Meyer, Chirurgische Universitätsklinik Erlangen).