Das radioaktiv markierte Somatostatin-Analogon DOTATOC wird in der Diagnose und Therapie von NET eingesetzt. Es bindet an Somatostatin-Rezeptoren im Gewebe und sendet dann im Körper radioaktive Strahlung aus, die zur Behandlung oder Entdeckung von NET genutzt werden kann.
Ein großer Teil der neuroendokrinen Tumoren trägt auf seiner Zelloberfläche Bindungsstellen für das körpereigene Hormon Somatostatin, so genannte Somatostatin-Rezeptoren. Synthetisch hergestellte Substanzen, die das Somatostatin imitieren (Somatostatin-Analoga), können ebenfalls an diese Rezeptoren binden. Diese Tatsache hat man sich bei der Diagnose und Therapie neuroendokriner Tumoren zu Nutze gemacht.
Bereits 1996 ist es gelungen, synthetisch hergestelltes Somatostatin (so genanntes Octreotid) so zu verändern, dass es radioaktive Partikel (Radionuklide) binden kann. Dieses veränderte Octreotid bezeichnet man als DOTATOC.
Wird das mit einem Radionuklid beladene DOTATOC in die Blutbahn eingebracht, verteilt es sich im Körper und bindet wie das körpereigene Hormon an die Somatostatin-Rezeptoren der Tumorzellen. Die gebundenen Radionuklide senden radioaktive Strahlung aus, die je nach verwendetem Radionuklid den Tumor mit Hilfe spezieller Geräte sichtbar machen (Diagnose) oder ihn an Ort und Stelle schädigen kann (Therapie). Es gibt neben DOTATOC auch weitere ähnliche Substanzen,
wie z. B. DOTATATE.
Hinter dem schwer verständlichen Begriff DOTATOC-PET-CT verbirgt sich eine nuklearmedizinische Untersuchung mit DOTATOC. PET steht für Positronen-Emissions-Tomographie und bezeichnet ein Untersuchungsverfahren, das die Verteilung einer schwach radioaktiv markierten Substanz im Körper messen kann.
Die Untersuchung wird mit einer herkömmlichen Computertomographie kombiniert (PET-CT), um die Verteilung der Substanz im Körper einzelnen Organen zuordnen zu können.
Die PET-CT Untersuchung mit DOTATOC ist derzeit die genaueste bildgebende Methode, um einen neuroendokrinen Tumor oder Metastasen eines neuroendokrinen Tumors zu diagnostizieren.
Hierzu wird DOTATOC meist mit Gallium-68 (68Ga-DOTATOC) beladen. 68Ga-DOTATOC reichert sich an den Somatostatin-Rezeptoren der Zellen an. Die abgegebene, schwach radioaktive Strahlung kann mittels spezieller Detektoren im Gerät erkannt werden und durch ein Computerprogramm in eine dreidimensionale Darstellung auf einem Bildschirm umgewandelt werden.
Gegenüber der bislang routinemäßig durchgeführten Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie hat die PET-CT mit DOTATOC einige Vorteile:
Zur Therapie neuroendokriner Tumoren werden Radionuklide an DOTATOC gebunden, die in den Tumoren eine therapeutische Strahlenwirkung erzeugen können. Die gebräuchlichsten Substanzen sind Yttrium-90 (90Y) oder Lutetium-177 (177Lu). Bindet DOTATOC an die Somatostatin-Rezeptoren des Tumors, wird das Radionuklid in die Tumorzelle aufgenommen und sendet Strahlung aus. Die Reichweite der Strahlung beträgt allerdings nur einige Millimeter und konzentriert sich so auf die Tumorzellen. Das gesunde Gewebe wird weitgehend geschont. 90Y wird innerhalb weniger Tage mit dem Urin über die Nieren ausgeschieden.
Die Therapie ist insbesondere für Patienten mit langsam wachsenden Tumoren und Lebermetastasen geeignet, die erfahrungsgemäß einer Chemotherapie weniger zugänglich sind, oder für Patienten, bei denen die chirurgischen oder lokalen Behandlungsmöglichkeiten bereits erschöpft sind. Sie hat ihren Stellenwert also erst nach Versagen oder Unverträglichkeit der etablierten Therapiemethoden.
Die Therapie wird normalerweise in ein bis drei Zyklen im Abstand von drei bis vier Monaten durchgeführt, dies variiert jedoch von Klinik zu Klinik. Bei 60-70 % der Patienten können Tumorrückbildungen bzw. eine Stabilisierung der Erkrankung erreicht werden.
Die Voraussetzung für eine 90Y-DOTATOC-Therapie sind eine normale Nierenfunktion, ein gesundes Knochenmark und der Nachweis, dass der Tumor genügend Somatostatin-Rezeptoren besitzt, um auf eine Therapie mit DOTATOC ansprechen zu können.
Vor Beginn der Radionuklidtherapie erhält der Patient eine unterstützende Infusion. Diese schützt die Nieren vor einer Schädigung durch die Strahlung, die die Radionuklide noch aussenden, wenn sie bereits mit dem Urin ausgeschieden werden. Gelegentlich kann es durch die Infusion zu leichter Übelkeit kommen.
Da Knochenmarkzellen ebenfalls Somatostatin-Rezeptoren tragen, kann 90Y-DOTATOC auch hier binden und gegebenenfalls zu einer Zellschädigung führen. Deshalb muss vor Beginn der Therapie mit DOTATOC abgesichert werden, dass das Knochenmark gesund ist. Gelegentlich kommt es unter einer 90Y-DOTATOC-Therapie zu Veränderungen des Blutbildes, die aber nur in den seltensten Fällen behandelt werden müssen.
Was das Ansprechen des Tumors auf die Therapie mit DOTATOC betrifft, so kann dieses vor Beginn der Therapie abgeschätzt werden, indem man mittels 68Ga-DOTATOC-PET-CT die Somatostatin-Rezeptoren-Dichte bestimmt.
Weder die Diagnostik noch die Therapie mit DOTATOC ist allerorts möglich, denn nicht in jeder Klinik ist ein PET-CT-Gerät und die nötige Erfahrung bzw. das entsprechend notwendige Qualitätsmanagement vorhanden. Limitierend ist aber auch die Verfügbarkeit der Radionuklide. Da diese rasch zerfallen und damit unwirksam werden, müssen sie eigens für die Behandlung hergestellt werden. Dies ist nur an ausgewählten Kliniken möglich.
Die Kosten für Diagnostik und Therapie werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen, dies muss jedoch im Einzelfall abgeklärt werden, da diese Therapie in Deutschland bisher nicht zugelassen ist.
Wenn Sie der Meinung sind, dass eine Untersuchung oder Therapie mit DOTATOC für Sie in Frage kommt, fragen Sie gezielt bei Ihrem behandelnden Arzt nach. Wertvolle Informationen und Erfahrungsberichte können Sie auch erhalten, indem Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen aufnehmen und sich mit anderen Betroffenen austauschen.